Chronik

Die Freisetzung der Dritten Schöpfung

Obwohl das Anliegen Enéras und Voréos‘ mit der Schöpfung der Dimisori bereits erfüllt worden war, erschienen dem Schöpfer seine Ewigen Hallen immer noch allzu leer. Daher erschuf er mit Hilfe der Regenbogenkugel eine Reihe geringere Geister. Ihre Zahl, so heißt es, überträfe sogar die der Sterne am Himmel. Vielfältig waren sie in ihrer Gestalt, ihren Fähigkeiten, Gefühlen und Gesinnungen. Manche waren beinahe so mächtig wie die Dimisori, andere hoben sich an Kraft kaum von den noch ungeborenen Kindern der Schöpfung ab.
Mi Sarucho wurden diese Wesen später genannt, da sie wie die Ranvári und Dimisori bereits lange vor der Schöpfung Saruchos ins Sein getreten waren. In ihrer gewaltigen Zahl bevölkerten sie nun die Ewigen Hallen und erfüllten die langen Gänge und hohen Gewölbe mit ihren Stimme und ihrem Gelächter. Manchen von ihnen wies der Schöpfer bestimmte Aufgaben zu, anderen stellte er frei, wie sie ihr Dasein verbrachten. Einige schlossen sich einem Ranvar oder Dimisor an, während andere für sich blieben. Trotz der Unzahl neuer Bewohner blieben jedoch große Teile der Ewigen Hallen leer und wenn es jemanden nach Einsamkeit gelüstete, fand sich stets ein Ort, an dem niemand zugegen war.
So waren die Ranvári guter Dinge und sie hatten viel Freude im Kreise ihrer neuen Gefährten und Untergebenen. Valeno teilte ihre Freude, wie er an allem Anteil hatte, was seinen Schöpfungen widerfuhr. Da seine Kinder nun vollauf zufrieden waren, wandte er sich wieder der großen Aufgabe zu, die vor ihm lag.

Viele Ewigkeiten verbrachte Valeno damit, seine regenbogenfarbene Kugel von den Einflüssen des Nichts zu reinigen. Er hatte bereits einen Großteil davon zu seiner eigenen Zufriedenheit vollbracht, als er sich dazu entschloss, seine Arbeit für eine Weile ruhen zu lassen. So verließ er sein Gemach und versammelte seine Kinder, um zu ihnen zu sprechen.
»Das, was dereinst die Dritte Schöpfung sein wird, ist nun zur Hälfte fertiggestellt«, verkündete er fröhlich. Die Mi Sarucho zeigten sich ebenso überrascht wie erfreut.
Die Dimisor Lirinella aber fragte: »Wie, allmächtiger Schöpfer, kann es sein, dass dieses Werk so viel deiner Zeit und Kraft in Anspruch nimmt? Uns, die wir hier vor dir versammelt sind, schufst du mit einem einzigen Gedanken, diese Schöpfung aber verlangt dir mehrere Ewigkeiten ab. Wie lange noch? Mich, wie viele andere, verlangt es danach, dieses Werk zu sehen, das ohne Zweifel dein größtes sein wird.«
Valeno blickte sie nachdenklich an, als prüfe er das, was ihr noch widerfahren würde. »Übe dich in Geduld, mein Kind«, sagte er dann. »Dieses Werk, das, wie du richtig erkanntest, mein größtes sein wird, soll mein Geschenk an euch sein, meine Kinder. Wisset jedoch, dass noch viele Bruchstücke Kunus darin gefangen sind, die ich entfernen muss, um eurer Wohl Willen. All das Nichts jedoch, das ich aus der Regenkugel entferne, ersetze ich durch eure Träume und Wünsche. Denn dieses Werk wird das eure sein, ebenso sehr wie es das meine ist. Alles, was ihr hier in meinen Hallen schuft, wird auch in dieser Schöpfung bestehen. Jeder eurer Gedanken soll dort Wirklichkeit werden.«
Erstaunt schwiegen die Mi Sarucho und blickten ihren Schöpfer verwundert an. Nelaro war es, der die Frage stellte, wie dies den möglich sei.
»Denkt ihr, euer Schaffen würde mich nicht kümmern, meine Kinder?«, erwiderte Valeno. »Während ich mich in meinem Gemach der Regenbogenkugel widme, sehe ich all eure Gedanken, in demselben Augenblick, da ihr sie denkt. Ihr seid meine Kinder, ihr seid ein Teil meiner selbst. Ihr seid mir niemals fern. Und nun höret: Zu euren Träumen säte ich die Dritte Saat und sie wird in der Schöpfung keimen und gedeihen und sie mit ihrer Pracht bereichern.«
Diese Worte erschienen jenen, die sie hörten, sehr rätselhaft und manch einer dachte wohl eine Ewigkeit lang darüber nach. Valeno jedoch sagte nichts mehr und zog sich in sein Gemach zurück um zu ruhen. Sein Wirken hatte ihn erschöpft und er fühlte sich nicht kräftig genug, um es sogleich gebührend zu Ende zu führen.
Doch Valeno war wachsam. Zwar liebte er seine Kinder, er wusste jedoch auch, dass sie alle einen Funken des Nichts in sich trugen. So schloss er die Möglichkeit nicht aus, dass Kunu sich eines der ihren bedienen würde, um sein Werk zunichte zu machen. Daher gab er Selóar, dem er mehr als allen anderen vertraute, die Aufgabe, in seiner Abwesenheit über die Regenbogenkugel zu wachen und alle bösen Einflüsse von ihr fernzuhalten. Zu diesem Zweck verlieh er dem Kind der Dämmerung einen großen Schild aus vielfarbigem Licht, der die Macht besaß, jeden bösen Gedanken aufzudecken und in die Weiten des Nichts zu verbannen, wo er hingehörten. Dabei übersah Valeno jedoch, dass es gerade Selóar selbst war, das am meisten zum Nichts neigte. Der ihm eigene Wankelmut machte es nämlich zugleich zum größten Feind und Freund Kunus.
Nun, da der Schöpfer ruhte, begann sich der böse Teil in Selóars Seele zu regen und seine Gedanken zu vergiften. Jeden Feind hätte das Kind der Dämmerung mit Hilfe seines Schildes mit Leichtigkeit zu besiegen vermocht, seiner eigenen Kraft war es jedoch nicht gewachsen. Dennoch rang es eine halbe Ewigkeit mit sich selbst. Es schwang den großen Schild hin und her, in dem Versuch das Schlechte aus seinem Inneren zu vertreiben – doch ohne Erfolg. Schließlich zerbrach der Schild auf dem Boden der Halle, als Selóar ihn von sich riss und seine böse Seite die Oberhand gewann.
Von Kunu erfüllt, ergriff Neid das Kind der Dämmerung. Zu sehr, so schien es ihm, beschäftigte sich der Schöpfer mit seiner regenbogenfarbenen Kugel. Es sagte sich, Valeno hätte sich von ihm und seinen Geschwistern abgewandt, ja würde sich ihrer gänzlich entledigen, wäre die Dritte Schöpfung erst einmal fertiggestellt. Es verfiel der Wahnvorstellung, jene Schöpfung würde ein Gefängnis sein, in das Valeno seine Kinder, die ihm unliebsam geworden waren, verbannen wollte.
Daher fasste Selóar den Entschluss, die Regenbogenkugel, die es für alles Übel verantwortlich machte, müsse in die unendlichen Weiten des Nichts geworfen werden, auf dass sie dort zu Grunde ginge und Valeno sich wieder seinen Kindern zuwende.
So geschah es, dass Selóar den Schatz stahl, den es eigentlich hätte bewachen sollen. Als es die Kugel dann an sich riss, flammten für einen Augenblick Zweifel in ihm auf, erloschen jedoch sogleich wieder – so stark war der Wille des Nichts geworden, der durch es wirkte. Selóar verbarg die Kugel so gut es konnte und schlich damit durch abgelegene Gänge, in dem Versuch, allen aus dem Weg zu gehen, die es hätten aufhalten können.
In der Halle der Dunklen Tore, dem einzigen Ort, an dem der Schleier aus Finsternis, der die Ewigen Hallen umgab, dünn genug war, um durchdrungen zu werden, lehnte sich Selóars Gewissen dann ein weiteres Mal gegen das Böse in ihm auf.
Und es war im Zuge dieses inneren Kampfes, dass die Regenbogenkugel dem Griff ihres Diebes entglitt. Dort, in der Halle der Dunklen Tore, fiel sie zu Boden und zersprang in tausende Scherben. Den Bruchteil eines Augenblickes lang verharrte die Dritte Schöpfung dort in all ihrem Glanz und mit all ihren Fehlern. Dann entwich sie, nicht länger von der äußeren Hülle der Regenbogenkugel begrenzt. Nach allen Seiten hin dehnte sie sich aus.
Voréos‘ dunklen Vorhang vermochte sie nicht zu durchdringen, doch konnte der Schleier ihrer unermesslichen Kraft kaum standzuhalten, sodass er sich mit der freigesetzten Schöpfung ausdehnte, indem er das Nichts Stück für Stück zurückdrängte. Seither umgab Finsternis die äußersten Grenzen der Schöpfung, wie sie einst die Ewigen Hallen des Schöpfers umgeben hatte, und sie war der Grundstein, auf dem das All erbaut wurde.
All die anderen Urstoffe, all die Träume und Wünsche der Mi Sarucho, die Valeno in die Regenbogenkugel eingewoben hatte und auch die Dritte Saat wurden in diesem Raum aus Finsternis verteilt, mit nichts, das sie zusammenhielt. Keinerlei Gesetze galten in diesem unermesslichen, ungeordneten Wirrwarr, in dem nichts so war, wie es dereinst sein sollte. Die Urkräfte gingen einander aus dem Weg. Sobald sie doch aufeinander trafen, bekriegte eine, ehe sie sich wieder voneinander trennten, denn keine war in der Lage sich mit einer anderen zu verbinden.
So trat Enu ins Sein, die Dritte Schöpfung, unvollkommen und scheinbar gegen den Willen ihres Schöpfers. All dies geschah im Bruchteil eines Augenblickes.

In dem Augenblick, als die Regenbogenkugel zersprang, erwachte Valeno, doch war es bereits zu spät und er konnte das Entfliehen der Schöpfung nicht mehr verhindern. Ehe nun jemand Selóars Untat bemerken konnte, erhob er seine gewaltige Stimme zu einem Ruf, den jedes Wesen innerhalb der Ewigen Hallen zu vernehmen vermochte. »Zu mir, meine Kinder! Säumet nicht!«, rief er. »Ein großes Missgeschick ist geschehen.«
Die Mi Sarucho ließen sogleich erschrocken von dem ab, was auch immer sie gerade taten, denn das Wort ihres Schöpfers war ihnen Gesetz. So schnell sie konnten, versammelten sie sich in jener Halle, in der er zu ihnen zu sprechen pflegte.
Selbst Selóar kam, hielt sich jedoch im Hintergrund. Große Scham erfüllte das Kind der Dämmerung. Denn mit der Zerstörung der Regenbogenkugel hatte auch der Wille Kunus es verlassen, sodass es sich des Verbrechens nun überdeutlich bewusst war, das es begangen hatte. Es hatte keinerlei Zweifel daran, dass auch Valeno von seiner Schuld wusste. So zweifelte es nicht daran, dass der Schöpfer es vor allen Anwesenden für sein Vergehen bestrafen würde.
Doch wenngleich Selóar Valeno von all dessen Kindern am nächsten stand, wusste es doch nur wenig über ihn und seine Beweggründe. Denn Valeno erzählte den Mi Sarucho zwar von der versehentlichen Freisetzung der Schöpfung, erwähnte jedoch mit keinem Wort, wodurch sie verursacht worden war. Stattdessen sprach er beinahe so, als wäre er selbst, nicht Selóar dafür verantwortlich gewesen. Manch einer mag daher argwöhnen, er hätte bereits im Voraus vom Verrat seines Wächters gewusst und diesen bewusst geschehen lassen. Ob diese gewagte Vermutung jedoch der Wahrheit entspricht, weiß wohl nur der Schöpfer selbst, doch behielt er bekanntlich seine innersten Gedanken und Vorhaben stets für sich.
Selóars Gewissen und die Nachsicht des Schöpfers bewegten es dazu, dass es schließlich aus eigenem Antrieb vor die Mi Sarucho trat und die Verantwortung für den Vorfall übernahm. Zugleich legte es den Namen ab, den es von seinem Schöpfer erhalten hatte. Stattdessen wollte es von nun an Narku genannt werden, was so viel wie »Schuld« bedeutete – als Bekenntnis derselben und als beständige Erinnerung an die Untat, die es begangen hatte.
Groß war da der Aufruhr unter den Kindern des Schöpfers. Manche verurteilten Narku für seine Tat, andere hatten Mitleid mit dem Wesen, das von seiner eigenen bösen Seite besiegt worden war, denn sie wussten, dass es auch ihnen so ergehen hätte können.
Da kam es dann auch zum ersten großen Zerwürfnis zwischen den Brüdern Celyo und Durmo, die beide für die Gerechtigkeit eintraten. Während Durmo nämlich forderte, dass Narku als Strafe für sein Verbrechen für alle Zeiten aus den heimatlichen Hallen verbannt wurde, sprach sich Celyo für Milde aus. Lange und hitzige Reden wurden gehalten, das Für und Wider wurde abgewogen, doch das letzte Wort blieb beim Schöpfer. Schließlich verstummte jedes Streitgespräch und alle verharrten in stiller Erwartung des Urteiles.
»Selóar mag selbst über seine Bestrafung entscheiden«, sagte Valeno dann, zur Überraschung aller. »Denn nicht um der Verurteilung eines Schuldigen Willen rief ich euch alle an diesem Ort zusammen, vielmehr, um euch vor eine Wahl zu stellen. Ich versprach euch einst, dass diese Schöpfung die eure seine würde, auf dass ihr frei durch sie wandelt und all eure Träume sich in ihr erfüllen. Doch, was freigesetzt ward, ist nicht die Schöpfung, die ich euch zu schenken gedachte. Nur ein schwacher Abglanz jenes Geschenkes ist sie. An euch soll es nun sein, zu entscheiden, ob ihr dieses Geschenk dennoch annehmen wollt oder aber zurückweist.«
Er musterte die unzähligen versammelten Mi Sarucho mit strengem Blick und schaute einem jeden von ihnen ins Herz. Dort sah er die unterschiedlichsten Gefühle – von Abneigung und Trauer, bis hin zu Zuversicht und freudiger Erwartung.
»Wählt weise, denn dies wird eine folgenschwere Entscheidung sein, für euch, ebenso wie für die Schöpfung da draußen«, erklärte er dann. »Ich will euch nichts vormachen: Das All, das euch erwartet, ist wild und vom Nichts durchdrungen. Alles steht dort im Widerstreit miteinander. Große Mühen stünden euch bevor, ehe die Schöpfung zu dem würde, was ihr euch erträumt haben mögt. Viele Male würdet ihr scheitern, manche von euch würden gar daran zugrunde gehen…«
Viele verhärteten da ihre Herzen und entschlossen sich, die Dritte Schöpfung ihrer Unvollkommenheit wegen zu verschmähen. In anderen dagegen – und darunter waren die meisten der Ranvári und Dimisori – lösten Valenos Worte ein wildes Verlangen aus, sich dieses unvollkommenen Werkes anzunehmen.
»Entscheidet euch, doch entscheidet euch gut«, ermahnte der Schöpfer seine Kinder erneut. »Denn überschreitet ihr erst einmal die Schwelle dieser meiner Hallen und wagt euch in die Welt des Seins, wird den wenigsten von euch die Rückkehr hierher gelingen. Solange Enu nämlich besteht, werdet ihr ein Teil davon sein.«
Dies klang manchem allzu hart und nicht wenige Mi Sarucho wandten sich von der Schöpfung ab, doch es blieben immer noch viele, deren Wille nun stärker als je zuvor war. Sie alle sahen in Enu ihre Zukunft und waren bereit ihr Schicksal auf Gedeih und Verderb mit dem der Schöpfung zu verknüpfen. Manche waren jedoch nach wie vor unentschlossen und warteten daher darauf, was Valeno ihnen noch sagen würde oder aber sie sahen sich nach den Ranvári um, denen sie dienten, um deren Beispiel zu folgen.
»Eines nur sei jenen verboten, die sich dazu entscheiden, die Schöpfung zu betreten«, fuhr der Schöpfer mit seiner Warnung fort. »Gewaltig mag euch ihre Ausdehnung erscheinen und mit jedem Augenblick, der verstreicht, wird sie noch gewaltiger. Dennoch hat auch sie Grenzen, die niemals verschwinden werden. Trachtet nicht danach zu erblicken, was dahinter liegt. Denn dort lauert Kunu. Sein Anblick würde euch und ganz Enu für immer verändern. Dem unweigerlichen Untergang durch sein eigenes Handeln ist jeder geweiht, der es wagt, das Nichts zu schauen.«
Mit diesen Worten verließ Valeno seine Kinder, um sich in sein Gemach zurückzuziehen.
Große Verwirrung und Uneinigkeit herrschte nun unter denen, die bis zum Schluss der Rede des Schöpfers geblieben waren. Viele derjenigen, die zuvor entschlossenen gewesen waren, hatte die Warnung vor dem verderblichen Einfluss des Nichts mit Zweifel erfüllt, sodass sie nun zauderten. Einzig die vier jüngeren Ranvári entschieden sich ohne Umschweife dafür, die Weiten von Enu als ihr Reich anzunehmen. Zu groß war ihre Neugier, denn sie trachteten danach zu sehen, ob ihre Gedanken tatsächlich in dieser Schöpfung Wirklichkeit geworden waren. Die Mühen, die sie erwarten mochten, scheuten sie nicht, waren sie am Anbeginn der Tage doch über die Maße fleißig und strebsam.
Abertausende von Mi Sarucho, die sich den Vier bereits zuvor angeschlossen hatten und in deren Gemächern lebten, entschieden sich dafür, ihren Herrinnen und Herren zu folgen, sei es nun aus Liebe, Treue oder Pflichtbewusstsein. Ihr ganzes Sein hatten sie den Ranvári verschrieben, sodass auch die Aussicht auf nicht enden wollende Mühsal sie nicht von diesen zu trennen vermochte. Auch die Dimisori – allen voran Cilmalan, der sich in den Hallen des Schöpfers nie besonders wohl gefühlt hatte – ließen sich nicht abschrecken und brannten darauf, diese neue Welt zu betreten.
So versammelte sich eine große Anzahl von Wesenheiten in der Halle der Dunklen Tore, wo sie schweren Herzens, jedoch voller Hoffnung Abschied von jenen nahmen, die zurückbleiben würden.
Auch Voréos und Enéra waren gekommen, um ihren Geschwistern ihre Glückwünsche mit auf den Weg zu geben. Sie selbst hatten sich dazu entschlossen, zurückzubleiben, verlangte es sie doch aufgrund des Wesens ihrer Urkräfte nicht nach der Welt des Stofflichen. Alles, was sie erdacht hatten, gab es auch innerhalb der Ewigen Hallen, sodass sie keinen Grund sahen, diese zu verlassen. Sie verschmähten das Geschenk ihres Schöpfers keineswegs, sondern wollten es vielmehr ihren Geschwistern überlassen, für die sie es bestimmt sahen.
Ihre begierigen Dimisori hielten sie nicht zurück. Im Gegenteil: Sie sprachen diese sogar Mut zu, ihren eigenen Weg zu gehen. Denn sie sahen, dass Durmo und Celyo, Andaléa und Ilveris erpicht darauf waren, sich den Wagnissen Enus zu stellen und sich nur aus Liebe zu ihnen zurückhielten. Anders als die anderen Ranvári verlangte es die beiden Ältesten jedoch ähnlich wie Selóar nicht danach, beständig von Wesen begleitet zu werden, die ihnen Gesellschaft leisteten und ihren Werken huldigten.
Auch Narku blieb in den Ewigen Hallen zurück. Wenngleich Valenos Worte ein plötzliches Verlangen nach Enu in ihm geweckt hatten, gab es diesem nicht nach. Obwohl der Schöpfer ihm verziehen hatte, wollte es Buße tun und Valeno zu Diensten sein, wann immer es nötig war. Narku hielt sich sogar vom Abschied fern, denn seine Scham erlaubte es ihm nicht, den anderen zu begegnen, wenngleich keiner von jenen, die aufbrachen einen Groll gegen das Kind der Dämmerung hegte. Denn auch wenn sie es sich niemals offen eingestanden hätten, waren die meisten von diesen sogar froh über die Untat, die ihnen die Vergnügungen der Dritten Schöpfung verfrüht eröffnet hatte.
Als dann die letzten Worte des Abschiedes gewechselt waren, öffnete Voréos die Dunklen Tore und entließ seine Geschwister mit ihrem gewaltigen Gefolge in die Weiten der Schöpfung.

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