Todesanbeterin

Die Todesanebeterin (mantis mortis) ist ein großes insektenartiges Wesen, das in der Umgebung von Vulkanen zu finden ist. Ihr widerstandsfähiger Außenpanzer, der größtenteils mit verhärterter Asche überzogen ist, schützt sie sowohl vor Hitze und Feuer als auch vor körperlichen Angriffen. Ihre mit spitzen Stacheln versehenen Fangarme sind stark genug, um Knochen zerbrechen zu können. Ihr Speichel enthält eine starke Säure, die beinahe jedes lebende Gewebe zersetzen kann. Todesanbeterinnen können tage- oder sogar wochenlang reglos verharren, wenn sie auf der Jagd sind. Ansonsten bewegen sie sich für gewöhnlich sehr langsam und bedächtig, können jedoch sehr schnell zuschlagen. Zu ihrer Beute zählen neben größeren Säugetieren und Vögeln sogar Menschen.

Meeresamboss

Der Meeresamboss (incus maritima) ist zumeist an seichten Sandstränden zu finden. Er verwurzelt seine Füße tief im Untergrund, um nicht von der Brandung weggespült zu werden, während er mit seinen Flossen allerlei Treibgut auffängt, von dem er sich ernährt. Seine Haut ist äußerst widerstandsfähig, ist sie doch tagein tagaus sowohl den Kräften der Gezeiten als auch dem harschen Seewind ausgesetzt. Aufgrund seines wechselhaften Lebensraumes hat er zudem Lungen entwickelt, die sowohl im Wasser als auch am Land atmen können. Meeresambosse sind sehr gesellig und leben meistens in großen Gruppen, die oft mit Dörfern verglichen werden. Sie sind gemächliche Wesen, die sich nur selten fortbewegen, und kommunizieren miteinander in einer seltsamen Sprache, die mit ein wenig Übung auch von Menschen erlernt werden kann.

Flugohr

Das Flugohr (lepus aurium volantium) ist ein hasenartiges Nagetier, das zumeist in Bergen zu finden ist. Mit seinen starken Hinterbeinen kann es sehr hoch springen. Seine vier riesigen Ohren kann es aufgrund von zahlreichen Muskeln in unterschiedliche Richtungen bewegen, sodass es über ein ausgezeichnetes Gehör verfügt. Zudem nutzt es diese Ohren wie Flügel, um sich nach einem Sprung in der Luft zu halten und sich vom Wind treiben zu lassen. Flugohren leben zumeist in kleinen Gruppen auf unzugänglichen Hochebenen. Sie ernähren sich zum größten Teil von Feldfrüchten, weshalb sie zur Nahrungssuche in tiefere Lagen hinabfliegen. Aufgrund ihrer regen Fortpflanzung gelten sie allgemein als Fruchtbarkeitssymbole, können dadurch aber auch zur Plage werden.

Witzfigurdrache

Der Witzfigurdrache (draco ridiculus) stellt Gelehrte aus aller Welt seit jeher vor ein Rätsel. Seine dicken, rundlichen Füße verleihen ihm einen langsamen, unbeholfenen Gang. Seine mit federartigen Schuppen bedeckten Flügel sind viel zu klein und schwach um seinen massigen Körper in die Luft zu heben und scheinen auch keinem anderen Zweck zu dienen. Mit seinen kleinen Augen sieht der Witzfigurdrache kaum etwas, mit seiner langen, heraushängenden Zunge nimmt er jedoch Gerüche war, an denen er sich orientiert. Witzfigurdrachen ziehen für gewöhnlich einzeln oder  auch in kleinen Herden durch Savannen und Halbwüsten. Aufgrund ihrer beachtlichen Größe haben sie kaum natürliche Feinde, grundsätzlich sind sie jedoch harmlos.

Honigbär

Der Honigbär (ursus melleus) ist meist in blumenreichen Wiesen und Wäldern zu finden, wo er auf der Suche nach seiner Lieblingsspeise ist, die ihm auch seinen Namen gab. Eben diese Vorliebe für Honig ließ seinen Körper selbst zu Honig werden, heißt es. Wohin auch immer ein Honigbär geht, verbreitet er einen süßen Geruch, der ebenso anziehend auf Bienen wirkt, wie Bienen auf ihn. Durch seinen zähflüssigen Körper bewegt er sich nur sehr langsam fort und hinterlässt dabei deutlich sichtbare Spuren aus klebrigem Honig. Honigbären sind grundsätzlich ziemlich harmlos, können aber vor allem für Imker zum Ärgernis werden. Da sie jedoch Wasser nicht mögen und auch nicht schwimmen können, bieten Bäche und Flüsse einen guten Schutz vor ihnen.

Kürbiskrake

Der Kürbiskrake (octopus cucurbitae) ist ein schelmisches Geschöpf, das zumeist auf Kürbisfeldern vorkommt. Durch seine Gestalt verschmilzt er dabei so sehr mit seiner Umwelt, dass er von einem gewöhnlichen Kürbis oft nicht mehr zu unterscheiden ist. Manche behaupten sogar, Kürbiskraken wären aus den Geistern Verstorbener entstanden, die von Kürbissen Besitz ergriffen hätten. Reglos lauern diese Wesen im Feld auf Beute, die sie dann blitzschnell mit ihren acht Tentakeln umschlingen. Da es sich dabei zumeist um Ernteschädlinge wie kleine Nagetiere und Vögel handelt, werden Kürbiskraken von Bauern sehr geschätzt und mitunter sogar als Haustiere gehalten. Obwohl sie größeren Lebewesen nichts zuleide tun, lieben sie es, diesen Streiche zu spielen, was sie mitunter zu sehr anstrengenden Zeitgenossen macht.

Kamelschnecke

Die Kamelschnecke (limax camelus) ist eine Riesenschnecke, die vor allem in Wüsten und trockenen Ödlanden zu finden ist. Ihr langes Fell schützt sie vor dem Licht der Sonne und dem Austrocknen. Die Höcker auf ihrem Rücken sind mit Wasser gefüllt, sodass sie lange Zeit überleben kann, ohne Flüssigkeit aufnehmen zu müssen. Kamelschnecken kriechen meist gemächlich zwischen bis zu einem halben Dutzend verschiedener Oasen hin und her, an denen sie ihre Wasservorräte wieder auffüllen und sich an den dort wachsenden Pflanzen gütlich tun. Ihre Schleimspuren bleiben selbst im rauen Wüstenklima lange sichtbar und eignen sich daher als sichere Wegweiser zur nächsten Oase.

Geschichten und Bilder von Martin Krois