Die Hügel des Grauens

Inmitten der Wälder an der Grenze von Orvolor gab es einst eine Stadt namens Gyria. Lange Jahre hindurch hatte sie als Ort des Friedens und der Gastfreundschaft gegolten, doch mit der Ankunft eines Fremden änderte sich alles. Dessen Worte waren wie ein Gift, das sich langsam in die Gemüter der Gyrianer fraß. Sie wurden gierig und hinterhältig, ihr freundliches Wesen ins Gegenteil verkehrt. Bald waren sie weithin als Wegelagerer, Räuber und Mörder bekannt. Die Hügel des Grauens weiterlesen

Grünblitzdämon

Der Grünblitzdämon (daemon fulminis viridis) ist ein hochintelligentes, menschenähnliches Geschöpf, das sich frei zwischen realer Welt und Cyberspace hin und her bewegen kann. Er ernährt sich von Elektrizität, weshalb man ihn oft in der Nähe von Stromleitungen oder Kraftwerken antrifft. Trotz seines unheimlichen Äußeren greift ein Grünblitzdämon nur selten andere Lebewesen an. Er bewegt sich so schnell, das kaum jemand oder etwas in der Lage ist, ihn zu fassen. Wird er aber doch in die Enge getrieben, setzt er sich mit mächtigen Stromschlägen in der Gestalt von grün leuchtenden Blitzen zur Wehr. Niemand weiß, woher Grünblitzdämonen stammen, sie scheinen jedoch die meisten menschlichen Sprachen zu verstehen. Deshalb gehen manche Forscher davon aus, sie wären einst selbst Menschen gewesen, die durch die folgenschwere Fehlfunktion eines Kraftwerkes den Weg zu einer höheren Daseinsform gefunden haben.

Maags Garten

Einst herrschte ein König über ein längst vergessenes Reich im Süden. Maag war sein Namen und sein Reich war klein, denn die Menschheit war schwach in diesem Zeitalter der Kälte und des langsamen Todes. Dennoch hatte dieses Reich bereits seit mehr als einem Jahrhundert der Wildnis getrotzt. Nun stand es jedoch vor dem Untergang, denn die einzige Tochter des Königs litt an einer schweren Krankheit. Maags Garten weiterlesen

Bootreißer

Der Bootreißer (raptor naviculae) ist ein urtümlicher Fisch von etlichen Metern Länge, der in den küstennahen Gewässern großer Meere zu finden ist. Im Laufe von vielen Jahrtausenden entwickelten sich seine Vorderflossen zu langen Greifarmen, die mit je einer gefährlich scharfen Kralle und drei Dornen besetzt sind. Mit diesen Armen reißt er seine Beute – zumeist Tiere, die an der Wasseroberfläche schwimmen – in die Tiefe, um sie dort mit seinem langen, mit Dutzenden spitzen Zähnen besetzten Maul zu verschlingen. Dem Namen Bootreißer wird dieser Fisch durchaus gerecht, da er auf der Jagd bisweilen auch kleine Fischerboote mitsamt Besatzung versenkt. Bootsreißer sind meist Einzelgänger, rotten sich bei seltenen Gelegenheiten aber auch zu Schwärmen zusammen. Wenn dies geschieht, können sie sogar größeren Schiffen gefährlich werden.

Flauschkugel

Die Flauschkugel (globus mollis) gehört trotz ihrer überdurchschnittlichen Körpergröße zu den Feen und Elfen.  Ihr gesamter Körper ist von einem weichen Fell bedeckt. Ihre Beine und Arme sind so kurz, dass sie darunter meist gar nicht zu sehen sind. Die Flügel auf dem Rücken einer Flauschkugel sind viel zu schwach, um ihren schweren Körper zu tragen und dienen nur der Kommunikation mit Artgenossen. Flauschkugeln sind sanfte Wesen, die zumeist in der Nähe von heiligen Stätten zu finden sind oder an Orten, an denen Zauberei ausgeübt wird. Sie ernähren sich von Licht und den Rückständen von Magie. In ländlichen Gegenden galt ihre Anwesenheit lange Zeit als Segen. Dann begannen Adelige sie jedoch aufgrund ihres außergewöhnlich schmeckenden Fleisches zu jagen, wodurch sie an den Rand der Ausrottung getrieben wurden.

Das Auge des Bären

Hoch oben im Norden, wo der Winter das Land sogar tagsüber in Finsternis taucht und auch das wilde Meer bisweilen von einer dicken Eisschicht bedeckt ist, trug sich eine seltsame Geschichte zu. Es begab sich nämlich, dass ein Schiff von einem Schneesturm überrascht ins Packeis getrieben wurde und dort auf Grund lief. Wer konnte, ging über Bord und versuchte, über das Eis die Küste zu erreichen. Viele ließen im Sturm ihr Leben. Das Auge des Bären weiterlesen

Höllenziege

Die Höllenziege (capra infernalis) ist ein Dämon in Tiergestalt. Die vom Siegel an ihrer Brust zusammengehaltenen Seile sind von einer heiligen Kraft durchdrungen und hindern sie daran, ihre wahre Gestalt anzunehmen und damit ihre ganze dunkle Macht zu entfesseln. Doch auch versiegelt stellt die Höllenziege eine große Gefahr dar. Ihre Hörner und Hufe bestehen aus einem Metall, das härter ist als Stahl. Ihre gespaltene Zunge sondert ein starkes Gift ab, das beinahe alles zersetzt. Höllenziegen tauchen oft in Gruppen auf. Mit ihrem feurigem Atem verbrennen sie alles auf ihrem Weg zu Asche, die sie dann fressen. Sie sind geübte Kletterer, können mit ihren sechs Beinen aber nicht allzu schnell laufen. Mit ihren sechs Augen sehen sie selbst in der dunkelsten Finsternis, das Licht der Sonne meiden sie dagegen.

Geschichten und Bilder von Martin Krois