Landkarte aus „Das Lied der Dämmerung“

Die Landkarte aus „Das Lied der Dämmerung“ zeigt einen großen Teil des Königreiches Erbarior. Im Südwesten liegen die Fürstentümer Ertanien und Rimalla, die von weiten Ebenen geprägt sind. Nördlich davon erstreckt sich das erbarische Kernland mit der Hauptstadt Xerdon. Von dort aus führt die große Hauptstraße nach Osten, durch die Fürstentümer Niranach, Rhunasur und Lirasur  bishin nach Lewinien, wo Erbarior an das Innere Meer grenzt. Im äußersten Süden der Halbinsel Breadanon liegt die wundersame Hafenstadt Nyktaven, die einst von den Almári gegründet wurde, ein Ort, der dem Reich der Götter sehr nahe sein soll.
Im Norden wird Erbarior von der gewaltigen Amnua begrenzt. Jenseits davon liegt im Westen das Fürstentum  Theladien, die Heimat des Blutschattenkultes. Östlich von Theladien erstreckt sich das kleine Königreich Guilar, das einst ebenfalls ein Teil von Erbarior war.
Im Nordosten liegen die Königreiche Vanranias, des gewaltigen Landes der Wälder. Das südlichste, das über die Amnua an Erbarior grenzt, ist Erevena mit Sahilinon, der Stadt zwischen den Bäumen.  Westlich davon herrscht die Königin von Ronarsal über die Sturmhöhen. Im Norden liegt Dewodios, wo der Großkönig von Vanrania sitzt. Auch das kleine Königreich Demenia im Osten, gehört zu Vanrania und wird oft als Kornkammer des Landes der Wälder bezeichnet.

Leseprobe aus „Das Lied der Dämmerung“, Kapitel I

So entdeckte er eine kleine Lichtung, auf der jemand sein Lager aufgeschlagen hatte. Um eine niedergebrannte Feuerstelle drängten sich sechs Zelte aus zerschlissenem schwarzen Stoff, die alles andere als einladend wirkten. Wie ein geordnetes Feldlager, das Soldaten als Außenposten errichtet hatten, sah es nicht aus, war es doch nicht befestigt. Aufgrund seiner fremdländischen Ausstrahlung hätte es wohl das Lager von fahrenden Händlern sein können, doch wirkte es dafür allzu heruntergekommen. Zudem waren weder Zugtiere noch Karren noch eine Straße zu sehen. Am ehesten hätte das Lager wohl noch als das Versteck einer Räuberbande durchgehen können, doch irgendetwas störte den Mann an dieser Vermutung.
Da er also nicht wusste, wem das Lager gehörte und wie ihn die Bewohner empfangen würden, näherte er sich vorsichtig. Kaum zehn Schritte vom nächsten Zelt entfernt fand er einen Baum mit niedrigen Ästen, den er erklomm. Von dort oben hatte er einen besseren Sicht auf die Lichtung, während die regennassen Blätter ihn vor unfreundlichen Augen verbargen.
Wohin sein Blick auch fiel, nirgendwo war jemand zu sehen. Nur ein einzelner Fuchs erkundete schnüffelnd die Umgebung der heruntergebrannten Feuerstelle. Ob das Lager wohl verlassen war? Wenn dem so war, hatten die ehemaligen Bewohner bestimmt nichts dagegen, wenn er sich von dem bediente, was sie zurückgelassen hatten.
Daher ließ er sich von seinem Ausguck sanft zu Boden gleiten und schlich geduckt in Richtung der Zelte. Er versuchte möglichst keine Geräusche zu verursachen, was ihm mangels Schuhwerk auch ohne Schwierigkeiten gelang. Immer wieder hielt er kurz inne, um zu lauschen, ob da Stimmen oder Schritte waren, doch alles blieb ruhig. Nur der Regen war zu hören, der ohne Unterlass auf die Zeltplanen tropfte.

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Ausradierer

Der Ausradierer (homo erasor) ist ein humanoides Geschöpf, das durch Alchemie erschaffen wurde. Aus seinen Armen entspringen seltsame Fortsätze, die Radierer genannt werden. Sie bestehen aus einem Stoff, der in der Lage ist, beinahe alles in Staub aufzulösen. Selbst Stein und Stahl halten einen Ausradierer nicht auf, jedoch werden seine Waffen bei jedem Einsatz kleiner und wachsen nur langsam nach. Das Fell eines Ausradierers gehört zu den wenigen Stoffen, die er nicht zersetzen kann. Obwohl für den Einsatz im Kampf geschaffen, sind die meisten Ausradierer friedliebend, weshalb sie sich von ihren Schöpfern losgesagt haben. Um diesen aus dem Weg zu gehen, verbergen sie sich oft in tiefen Kellern oder unterirdischen Kanälen. Sie können zwar sprechen, nutzen diese Gabe jedoch nur sehr selten.

Bienenhamster

Der Bienenhamster (cricetus apis) ist ein Tierchen, das selten größer als einen Daumenbreit wird. Er ist zumeist auf Blumenwiesen zu finden, wo er mit beachtlicher Geschwindigkeit von einer Blüte zur anderen fliegt. Blütenstaub und Nektar zählen dabei ebenso zu seiner Nahrung wie kleine Körnchen und Samen, die er bisweilen in seinen Backentaschen sammelt. Treffen zwei Bienenhamster aufeinander, betasten sie einander zur Begrüßung mit den Fühlern auf ihrem Kopf, die hauptsächlich diesem Zweck zu dienen scheinen. Bienenhamster leben in großen Gruppen von bis zu hundert Tieren in weitläufigen Bauen unter der Erde. Dort verbringen sie die Wintermonate eng aneinandergekuschelt, während sie sich von den Vorräten ernähren, die sie das ganze Jahr über angesammelt haben.

Feenfuchs

Der Feenfuchs (vulpes fatalis) ist ein magisches Geschöpf, das im Herzen großer Wälder zu finden ist. Mittels überirdischer Kräfte schwebt er lautlos durch die Lüfte, wobei sein weißes Fell einen zarten Schimmer ausstrahlt. Er ist sehr wendig und flink, sodass es kaum einem Raubtier gelingt, ihn zu fassen. Feenfüchse sind für gewöhnlich Einzelgänger und vorwiegend nachtaktiv. An manchen Spätsommernächten versammeln sie sich jedoch in großen Scharen auf entlegenen Lichtungen um dort wundersame Reigen zu tanzen. Niemand weiß, welchem Zweck diese Zusammenkünfte dienen. Feenfüchse sind sehr schlaue Geschöpfe, die mit ihren Augen in die Herzen der Menschen blicken können. Deshalb erscheinen sie auch nur den Rechtschaffenen. Bisweilen – so heißt es – würden sie sogar mit menschlicher Stimme Ratschläge erteilen.

Todesanbeterin

Die Todesanebeterin (mantis mortis) ist ein großes insektenartiges Wesen, das in der Umgebung von Vulkanen zu finden ist. Ihr widerstandsfähiger Außenpanzer, der größtenteils mit verhärterter Asche überzogen ist, schützt sie sowohl vor Hitze und Feuer als auch vor körperlichen Angriffen. Ihre mit spitzen Stacheln versehenen Fangarme sind stark genug, um Knochen zerbrechen zu können. Ihr Speichel enthält eine starke Säure, die beinahe jedes lebende Gewebe zersetzen kann. Todesanbeterinnen können tage- oder sogar wochenlang reglos verharren, wenn sie auf der Jagd sind. Ansonsten bewegen sie sich für gewöhnlich sehr langsam und bedächtig, können jedoch sehr schnell zuschlagen. Zu ihrer Beute zählen neben größeren Säugetieren und Vögeln sogar Menschen.

Geschichten und Bilder von Martin Krois