Archiv der Kategorie: Bestiarium

Bilder aus dem Bestiarium

Besensauger

Der Besensauger (scopae sugens) ist ein Imitator, der vor allem in menschlichen Behausungen zu finden ist. Er liebt dunkle, staubige Orte, an denen er oft wochenlang reglos verharrt. Aufgrund seines Aussehens wird er dabei häufig mit einem Besen verwechselt. Die borstenartigen Fortsätze, die das große Maul eines Besensaugers umgeben, sind in Wahrheit feine Hornplatten, die den Barten von Walen ähneln. Besensauger sind friedliche Wesen, die in Eintracht mit den Menschen leben. Sie ernähren sich von kleinen Lebewesen, die im Staub zu finden sind, saugen dabei jedoch auch den Staub selbst auf, was sie zu gern gesehenen Mitbewohnern macht. Sie sind grundsätzlich Einzelgänger und wechseln nur selten ihre Behausung.

Hasenhuhn

Das Hasenhuhn (gallus leporis) ist, wie der Name schon sagt, eine Arte Mischwesen aus Hase und Huhn, wobei es von den meisten Gelehrten zu den Vögeln gezählt wird. Statt Federn trägt es ein weiches Fell, statt eines Schnabels besitzt es die Zähne eines Nagetieres. Seine Flügel ermöglichen es ihm, über kurze Strecke zu fliegen, für gewöhnlich ist es aber eher am Boden zu finden. Mit seinen großen Ohren und Augen hält ein Hasenhuhn stets Ausschau nach Fressfeinden, denn es ist ein begehrtes Beutetier. Mit seinen kräftigen Beinen erreicht es hohe Geschwindigkeiten. Seine Tritte können sehr schmerzhaft sein. Hasenhühner ernäheren sich vor allem von Körnern, aber auch allem möglichen Gemüse. Aufgrund ihrer regen Fortpflanzungstätigkeit werden sie oft als Nutztiere gehalten. Ihre Eier gelten in manchen ländlichen Gegenden gar als Grundnahrungsmittel.

Lavaschwan

Der Lavaschwan (cygnus rhyacis) ist ein seltener Vogel, der vor allem in den Kratern von aktiven Vulkanen zu finden ist. Hitze und Feuer machen ihm nichts aus. Seine Federn sind so widerstandsfähig, dass sie die Berührung von Magma oder Lava ohne Schaden überstehen. Ein Lavaschwan kann sogar in geschmolzenem Gestein tauchen. Niemand weiß, wovon er sich ernährt, doch scheint seine Nahrungsquelle nur am Grund von Lavaströmen zu finden zu sein. Lavaschwäne binden sich lebenslang. Sie lebten meist in Paaren zusammen und kümmern sich gemeinsam um die Jungtiere. Diese tragen nach dem Schlüpfen zunächst rötliche Federn, die sie in der Umgebung von geschmolzenem Gestein und Feuer beinahe unsichtbaren werden lassen. Erst beim Erreichen des Erwachsenenalters legen sie ein wunderschönes, bläulich schimmerndes Federkleid an.

Rüsselschlange

Die Rüsselschlange (anguis proboscidis) stammt ursprünglich aus einer fremden Welt. Im Gegensatz zu anderen Schlangen verfügt sie über zwei kräftige Vorderbeine, die ihr bei der Fortbewegung aber auch beim Graben nach Nahrung nützlich sind. Sie ernährt sich vor allem von Pilzen und Knollen, die sie mit ihrem sehr empfindlichen Rüssel aufspürt. Trotz ihrer vier Augen sieht eine Rüsselschlange nicht sehr gut, weshalb sie sich neben dem Geruchssinn vor allem auf das Gehör ihrer großen Ohren verlässt. Die Flügel auf ihrem Rücken  dienen ihr nicht zum Fliegen, sondern um Sonnenlicht aufzunehmen, aber auch um Feinde abzuschrecken. Rüsselschlangen sind zwar recht groß, aber vergleichsweise harmlos. Sie leben für gewöhnlich in kleinen Herden beisammen und werden von manchen Völkern sogar als Nutztiere eingesetzt.

Sternenstaubhamster

Der Sternenstaubhamster (cricetus pulveris stellae) ist ein Nagetier, das im Weltraum zuhause ist. Die Abwesenheit von Sauerstoff und die extremen Temperaturen im leeren Raum scheinen ihm nichts auszumachen. Meist ist er in der Nähe von Asteroidengürteln oder den Ringen von Planeten zu finden, wo er mit seinen Klauen und Zähnen Löcher in Gesteinsbrocken gräbt, um an die Mineralien im Inneren dieser Felsen zu gelangen. Mit seinem weichen Fell nimmt ein Sternenstaubhamster das Licht der Sterne auf, um sich warm zu halten. Je gesünder er ist, desto heller glänzt der kleine, bläuliche Stein auf seiner Stirn. Die langen Schnurrhaare dienen ihm sowohl zur Orientierung als auch zur Kommunikation mit Artgenossen. Sternenstaubhamster sind gesellige Tiere, die meist in kleinen Kolonien im Inneren größerer Asteroiden zusammenleben. Sie sind sehr neugierig und nähern sich bisweilen auch Raumschiffen und Raumstationen.

Glumputer

Der Glumputer (computatrum scrutorum) ist eine Maschine, die erschaffen wurde, um veraltete Datenträger zu vernichten. Dazu schiebt er die infrage kommenden Komponenten mit den sechs tentakelartigen Kabeln, die aus seinem Gehäuse ragen, in das Laufwerk unter seinem Bildschirm, das eine Art Schredder enthält. Da ein Glumputer über keinerlei Schnittstellen für drahtlose Netzwerke verfügt, sind diese Kabel auch seine einzige Möglichkeit, mit anderen Maschinen zu kommunizieren. Glumputer verfügen zwar über eine primitive künstliche Intelligenz, ihre Rechenleistung ist aber sehr begrenzt, was sie anfällig für Fehlfunktionen macht. So wurden sie zwar zur Fortbewegung mit verhältnismäßig leistungsfähigen Flügeln aufgestattet, neigen aber dazu, im Flug aufgrund von Software-Fehlern abzustürzen. Da ihre Außenhülle sehr widerstandsfähig ist, führt dies jedoch nur selten dazu, dass ein Glumputer nicht mehr funktionsfähig ist.

Phantomschnecke

Die Phantomschnecke (limax umbrae) kann sich im Gegensatz zu den meisten anderen Schnecken sehr schnell bewegen. Die meiste Zeit über verbirgt sie sich an dunklen, feuchten Orten, wo sie reglos auf ihre Beute lauert. Blitzschnell schlägt sie dann mit ihrem kleineren Fühlerpaar zu, das mit Stacheln besetzt ist, die ein starkes Nervengift absondern. Eine Phantomschnecke kann so groß wie eine Katze werden und daher sogar für größere Lebewesen eine ernst zunehmende Gefahr darstellen. Phantomschnecken meiden zwar das Sonnenlicht, sind aber an bewölkten Tagen ebenso aktiv wie nachts. Sie gelten als bösartig und heimtückisch, können aber mit ein wenig Geduld abgerichtet werden. Dies machen sich bisweilen Attentäter zunutze, gibt es doch kaum einen Ort, den eine Phantomschnecke nicht erreichen kann.