Archiv der Kategorie: Bestiarium

Bilder aus dem Bestiarium

Schädelflamingo

Der Schädelflamingo (phoenicopterus calvae) verdankt seinen Namen seinem Oberkiefer, der die Gestalt des Totenschädels eines Tieres aufweist. Während manche Gelehrte zunächst davon ausgingen, es handle sich dabei tatsächlich um einen Totenschädel, den dieser Vogel wie eine Art Helm trägt, weiß man nun, dass dieser mit dem Kopf des Vogels verwachsen ist. Obwohl das Erscheinungsbild des Schädelflamingos mit seinem schwarzen Gefieder und den leuchtenden Augen ein wenig unheimlich anmuten mag, ist dieses Geschöpf friedlich und flieht bei Gefahr eher, als das es sich zum Kampf stellen würde. Man findet ihn oft auf überschwemmten Schlachtfeldern oder Friedhöfen, denn er ernährt sich überwiegend von kleinen Krebstierchen, Würmern und Pilzen, die nur auf toten Körper zu finden sind.

Klingenkopf

Der Klingenkopf (caput aciei) ist ein Raubtier, das für gewöhnlich in Rudeln wesentlich größere Geschöpfe jagt. Wenngleich dieses Geschöpf nicht besonders groß ist und ein wenig merkwürdig wirkt, ist es doch ein nicht zu unterschätzender Gegner. Mit seinem einzelnen Fuß bewegt es sich hüpfend fort, kann dabei jedoch beachtliche Geschwindigkeiten erreichen. Das Horn auf seinem Kopf besteht aus sehr dichtem Gewebe, das beinahe die Härte von Eisen erreicht. Der Klingenkopf wetzt dieses Horn an großen Steinen, sodass eine scharfe Klinge entsteht. Damit erlegt er seine Beute oder ficht Rangkämpfe mit seinen Artgenossen aus. Klingenköpfe sind äußerst angriffslustige Wesen, die selten den Rückzug antreten. Daher sind ihre Körper auch zumeist mit Narben übersät.

Schafschaumrolle

Die Schafschaumrolle (ovis rotae spumosae) ist ein seltsames Säugetier, das vorwiegend in grasbedeckten Hochlanden vorkommt. Ihre beinahe schaumartige weiße Wolle ist ziemlich klebrig und schmeckt sehr süß, weshalb sie von verschiedenen höheren Rassen bisweilen als Haustier gehalten wird. Im Laufe ihres Lebens härtet das Fell an der Körpermitte einer Schafschaumrolle zunehmend aus und bildet eine trockene Kruste, die Rücken, Bauch und Flanken mehr schlecht als recht vor Feinden schützt. Die äußeren Schichten dieser Kruste blättern bisweilen ab und gelten ebenso wie die süße Wolle als Delikatesse. Trotz ihres recht harmlosen Aussehens können Schafschaumrollen auch gefährlich werden, sind sie doch zumeist in Herden unterwegs. Bisweilen sieht man sie mit angezogenen Beinen seitwärts Hänge hinabrollen, wobei sie beträchtliche Geschwindigkeiten erreichen können.

Sanddämon

Der Sanddämon (daemon arenaceus) lebt unter dem Sand großer Wüsten. Für gewöhnlich erhebt er sich nur während mächtigen Sandstürmen von seinem Lager, um durch die Wüste zu wandeln und sich die Seelen ganzer Karawanen einzuverleiben. Die Habseligkeiten seiner Opfer bleiben zumeist liegen, sodass Sanddämonen bisweilen großen Reichtum anhäufen, der Abenteurer in ihre Fänge lockt. Zudem sind sie in der Lage Fata Morganas zu erschaffen, um ahnungslose Reisende in die Irre zu führen. Sanddämonen meiden Oasen, da Wasser ihre Kräfte schwächt. Anders als die meisten Wesen dämonischen Ursprunges sind sie zumeist tagsüber aktiv. In manchen Gegenden werden sie sogar als Götter verehrt, deren Gläubige ihnen Menschenopfer darbringen.

Flussdrache

Der Flussdrache (draco fluvialis) lebt in großen Flüssen und breiten Strömen. Mit seinen zwölf Flossenpaaren schwimmt er extrem schnell, auch gegen die Strömung. Die langen, fühlerartigen Fortsätze an seinem Kopf dienen ihm sowohl zur Orientierung, als auch zum Aufspüren von Beute, die er bereits anhand kleinster Bewegungen im Wasser wahrzunehmen vermag. Er ernährt sich vorwiegend von Fischen und Wasservögeln, kann aber auch Landlebewesen, ja sogar Menschen, gefährlich werden, die es wagen, sich in seine Fluten zu stürzen. Flussdrachen werden sehr alt und verbringen oft Jahrhunderte im Schlaf am Grund ihrer Flüsse. Sie sind Einzelgänger, die einander nur zur Paarung im Schatten einer vollständigen Sonnenfinsternis in Mündungsgebieten treffen.

Trompetenelfe

Die Trompetenelfe (alfa tubae) lebt in den lichten Gefilden der höheren Lüfte. Von dort steigt sie bisweilen tagsüber auf sonnenbeschienene Bergwiesen herab, um sich am Nektar der Blumen und klarem Quellwasser zu laben. Trifft sie auf Artgenossen, tanzt sie mit diesen wilde Reigen, in folge derer sie mit den trichterartigen Fortsätzen auf ihrem Kopf helle Trompetenklänge von sich gibt.  Trompetenelfen sind äußerst scheue Geschöpfe, die bei der leichtesten Störung entschwinden. Hinter man sie jedoch an der Flucht, veranstalten sie einen furchtbaren, ohrenbetäubenden Lärm, den kaum jemand bei klarem Verstand ertragen kann. Grundsätzlich gilt es jedoch als gutes Omen, die Stimme einer Trompetenelfe von Fern zu hören, Federn, die sie im Flug verliert werden oft zu Glücksbringern verarbeitet.

Dunkelkatze

Die Dunkelkatze (felis dira) ist ein flinkes, lautloses nachtaktives Raubtier, das trotz seiner geringen Körpergröße als sehr gefährlich gilt. So scheut sie nicht davor zurück, es mit einem ganzen Rudel von Wölfen aufzunehmen und fällt bisweilen auch Menschen an. Sie lebt vorwiegend allein in den Wäldern, wagt sich mitunter aber auch in kleine Städte vor, wo sie als schlechtes Omen gilt. Ihre fahlen, gelben Augen vermögen es sogar in tiefster Finsternis zu sehen, ihre feinen Krallen sind rasiermesserscharf und so hart wie Stein. Wird die Dunkelkatze bedroht, sträubt sie ihr Fell und stellt die flügelartigen Fortsätze an ihrem Rücken auf, die ihren Körper beinahe doppelt so groß erscheinen lassen.