Archiv der Kategorie: Bestiarium

Bilder aus dem Bestiarium

Mörderschleim

Der Mörderschleim (pituita homicida) ist ein bösartiges Geschöpf, das vor allem an feuchten, dunklen Orten zu finden ist. Sein ganzes Sein wird von einem einzigen Wunsch bestimmt: Menschen zu töten.  Da er von Natur aus nicht sonderlich kräftig ist, verwendet er zu diesem Zweck mit Vorliebe menschengemachte Werkzeuge wie Messer oder Äxte. Mörderschleime bewegen sich ziemlich langsam fort. Starkes Licht und Regen schadet ihnen, Salz schreckt sie ab. Sie können zudem nicht schwimmen, da sich ihr Körper im Wasser auflösen würde. Das Blut ihrer Opfer, von dem sie sich ernähren, macht sie zwar stärker, für einen erfahrenen Krieger stellen sie aber keine wirkliche Gefahr dar.

Ausradierer

Der Ausradierer (homo erasor) ist ein humanoides Geschöpf, das durch Alchemie erschaffen wurde. Aus seinen Armen entspringen seltsame Fortsätze, die Radierer genannt werden. Sie bestehen aus einem Stoff, der in der Lage ist, beinahe alles in Staub aufzulösen. Selbst Stein und Stahl halten einen Ausradierer nicht auf, jedoch werden seine Waffen bei jedem Einsatz kleiner und wachsen nur langsam nach. Das Fell eines Ausradierers gehört zu den wenigen Stoffen, die er nicht zersetzen kann. Obwohl für den Einsatz im Kampf geschaffen, sind die meisten Ausradierer friedliebend, weshalb sie sich von ihren Schöpfern losgesagt haben. Um diesen aus dem Weg zu gehen, verbergen sie sich oft in tiefen Kellern oder unterirdischen Kanälen. Sie können zwar sprechen, nutzen diese Gabe jedoch nur sehr selten.

Bienenhamster

Der Bienenhamster (cricetus apis) ist ein Tierchen, das selten größer als einen Daumenbreit wird. Er ist zumeist auf Blumenwiesen zu finden, wo er mit beachtlicher Geschwindigkeit von einer Blüte zur anderen fliegt. Blütenstaub und Nektar zählen dabei ebenso zu seiner Nahrung wie kleine Körnchen und Samen, die er bisweilen in seinen Backentaschen sammelt. Treffen zwei Bienenhamster aufeinander, betasten sie einander zur Begrüßung mit den Fühlern auf ihrem Kopf, die hauptsächlich diesem Zweck zu dienen scheinen. Bienenhamster leben in großen Gruppen von bis zu hundert Tieren in weitläufigen Bauen unter der Erde. Dort verbringen sie die Wintermonate eng aneinandergekuschelt, während sie sich von den Vorräten ernähren, die sie das ganze Jahr über angesammelt haben.

Feenfuchs

Der Feenfuchs (vulpes fatalis) ist ein magisches Geschöpf, das im Herzen großer Wälder zu finden ist. Mittels überirdischer Kräfte schwebt er lautlos durch die Lüfte, wobei sein weißes Fell einen zarten Schimmer ausstrahlt. Er ist sehr wendig und flink, sodass es kaum einem Raubtier gelingt, ihn zu fassen. Feenfüchse sind für gewöhnlich Einzelgänger und vorwiegend nachtaktiv. An manchen Spätsommernächten versammeln sie sich jedoch in großen Scharen auf entlegenen Lichtungen um dort wundersame Reigen zu tanzen. Niemand weiß, welchem Zweck diese Zusammenkünfte dienen. Feenfüchse sind sehr schlaue Geschöpfe, die mit ihren Augen in die Herzen der Menschen blicken können. Deshalb erscheinen sie auch nur den Rechtschaffenen. Bisweilen – so heißt es – würden sie sogar mit menschlicher Stimme Ratschläge erteilen.

Todesanbeterin

Die Todesanebeterin (mantis mortis) ist ein großes insektenartiges Wesen, das in der Umgebung von Vulkanen zu finden ist. Ihr widerstandsfähiger Außenpanzer, der größtenteils mit verhärterter Asche überzogen ist, schützt sie sowohl vor Hitze und Feuer als auch vor körperlichen Angriffen. Ihre mit spitzen Stacheln versehenen Fangarme sind stark genug, um Knochen zerbrechen zu können. Ihr Speichel enthält eine starke Säure, die beinahe jedes lebende Gewebe zersetzen kann. Todesanbeterinnen können tage- oder sogar wochenlang reglos verharren, wenn sie auf der Jagd sind. Ansonsten bewegen sie sich für gewöhnlich sehr langsam und bedächtig, können jedoch sehr schnell zuschlagen. Zu ihrer Beute zählen neben größeren Säugetieren und Vögeln sogar Menschen.

Meeresamboss

Der Meeresamboss (incus maritima) ist zumeist an seichten Sandstränden zu finden. Er verwurzelt seine Füße tief im Untergrund, um nicht von der Brandung weggespült zu werden, während er mit seinen Flossen allerlei Treibgut auffängt, von dem er sich ernährt. Seine Haut ist äußerst widerstandsfähig, ist sie doch tagein tagaus sowohl den Kräften der Gezeiten als auch dem harschen Seewind ausgesetzt. Aufgrund seines wechselhaften Lebensraumes hat er zudem Lungen entwickelt, die sowohl im Wasser als auch am Land atmen können. Meeresambosse sind sehr gesellig und leben meistens in großen Gruppen, die oft mit Dörfern verglichen werden. Sie sind gemächliche Wesen, die sich nur selten fortbewegen, und kommunizieren miteinander in einer seltsamen Sprache, die mit ein wenig Übung auch von Menschen erlernt werden kann.

Flugohr

Das Flugohr (lepus aurium volantium) ist ein hasenartiges Nagetier, das zumeist in Bergen zu finden ist. Mit seinen starken Hinterbeinen kann es sehr hoch springen. Seine vier riesigen Ohren kann es aufgrund von zahlreichen Muskeln in unterschiedliche Richtungen bewegen, sodass es über ein ausgezeichnetes Gehör verfügt. Zudem nutzt es diese Ohren wie Flügel, um sich nach einem Sprung in der Luft zu halten und sich vom Wind treiben zu lassen. Flugohren leben zumeist in kleinen Gruppen auf unzugänglichen Hochebenen. Sie ernähren sich zum größten Teil von Feldfrüchten, weshalb sie zur Nahrungssuche in tiefere Lagen hinabfliegen. Aufgrund ihrer regen Fortpflanzung gelten sie allgemein als Fruchtbarkeitssymbole, können dadurch aber auch zur Plage werden.