Der Vorgeschichte erster Teil

Tolkien und das Epos

Alles begann vor langer, langer Zeit, als die Welt noch in Ordnung war, in einem kleinen Städtchen im friedlichen Tal der Raab am Ostrand der grünen Mark eines einstmals mächtigen Kaiserreiches – mit anderen Worten in Fehring, einem Ort in der Südoststeiermark, in einer der entlegeneren Gegenden Österreichs. Freilich waren die Zeiten damals nicht viel anders als heute – sieht man einmal vom rasanten technologischen Fortschritt ab, der in krassem Gegensatz zu den ewig unveränderlichen Fantasy-Welten steht, in die ich Euch für gewöhnlich entführen will.

Es muss wohl an einem Tag im Sommer des Jahres 2006 gewesen sein – so genau kann ich mich leider nicht mehr daran erinnern – als ich zum ersten Mal die legendäre „Der Herr der Ringe“- Filmtrilogie sah. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von der Existenz von J.R.R. Tolkiens Meisterwerk, das hinter diesen Filmen stand, damals noch nichts wusste. Jedenfalls hatte sich mein Bruder diese Filme von einem Freund geliehen, machte doch damals die Kunde die Runde, es handle sich dabei um gar ausgezeichnete Unterhaltung. Den ersten Teil hatte ich bereits ein Jahr zuvor gesehen und für gut befunden, jedoch die Rolle unterschätzt, die dieses Werk noch für mein weiteres Leben spielen würde.
Als ich nun die Trilogie zum ersten Mal in ihrer Gesamtheit sah, fesselte sie mich, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Sie brachte mich zum Träumen, beflügelte meine ohnehin schon blühende Phantasie – ich war als glühender Verehrer des „Herrn der Ringe“ wiedergeboren worden. Dachte ich damals schon darüber nach, selbst Fantasy zu schreiben? Wohl eher nicht, schließlich wusste ich nicht, dass es auch Bücher zu diesen Filmen gab.
Einige Monate vergingen, da bekam mein Bruder dann Tolkiens Meisterwerk geschenkt und las es. Immer wieder erzählte er mir mit großer Freude davon und langsam wurde mir bewusst, dass die Filme, die ich gesehen hatte – so großartig sie in meinen Augen auch erschienen – nur die Spitze eines gewaltigen Eisberges waren. So wagte ich mich schließlich selbst an Tolkiens Werk heran. Aus der örtlichen Stadtbücherei lieh ich mir eine abgegriffen wirkende Ausgabe der drei Teile aus und ließ mich davon mitreißen.
Als ich den „Herrn der Ringe“ dann gelesen hatte, konnte ich von Tolkien nicht genug bekommen. So folgten zunächst die „Nachrichten aus Mittelerde“, dann „Der kleine Hobbit“ und schließlich sogar „Das Silmarillion“. Ich wollte alles wissen, immer tiefer in Tolkiens Welt eintauchen, Arda erforschen, alle Facetten der umfangreichen Mythologie kennenlernen. Immer wieder stieß ich jedoch an die Grenzen dessen, was Tolkien erschaffen hatte, und fragte mich, was wohl dahinter liegen mochte. Viel zu oft musste ich mit Bedauern feststellen, dass es da nichts mehr gab, dass Tolkiens Werk nicht abgeschlossen war, hätte es wohl tausende Menschenleben gedauert, dies zu bewerkstelligen. War es dies, was mich schließlich dazu bewegte, mich selbst der Schriftstellerei zu widmen?

Wann aber begann ich tatsächlich mit dem Schreiben, werdet Ihr Euch fragen. Nun, ein ganz gewöhnliches – manche würden wohl behaupten – langweiliges Ereignis gab den endgültigen Ausschlag dazu.
Es verhielt sich nämlich so, dass ich mich etwa zu derselben Zeit, da ich zum ersten Mal Tolkiens Welt betreten hatte, in der Schule im Deutschunterricht mit dem Thema Epos befassen durfte. Es ging um all die wohlbekannten Geschichten großer Helden und Götter, Kriege und Abenteuer, Liebe und Leid, aber freilich – wie es für die Schule üblich war – auch um das literarische Genre selbst und dessen Eigenheiten.
Irgendetwas muss mich damals daran derartig fasziniert haben, dass ich mich kurzer Hand entschloss, selbst eine epische Geschichte zu schreiben. Es war eine Entscheidung, die ich leichtfertig fällte, ohne auch nur im geringsten zu wissen, wohin sie mich führen würde.

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