Der Vorgeschichte zweiter Teil

T.EU.

Nun war ich also etwa im Jahr 2006 zu einem großen Fan Tolkiens geworden. So war es wohl nur wenig verwunderlich, dass die epische Geschichte, die ich zu schreiben gedachte, der seinen in vielen Zügen ähneln sollte: Ein Held zieht aus, um einen dunklen Herrscher zu bezwingen und die Welt zu retten. So weit, so gut. Allerdings gab es da etwas, das das, was ich mir zu schreiben vorgenommen hatte, grundlegend von Tolkiens Werken unterschied. Diese Kleinigkeit konnte man wohl meinem damals immer noch recht kindlichen Geist – ich war fünfzehn – zu Schulden legen. Als ich meine Geschichte zu schreiben begann, waren deren Charaktere nämlich allesamt keine Menschen, sondern Saurier.

Saurier? Warum ausgerechnet Saurier, werdet Ihr Euch fragen. Was haben denn diese ausgestorbenen Riesenechsen mit Fantasy-Literatur zu tun? Freilich waren es oftmals die Knochen eben jener Geschöpfe, die von den Menschen vergangener Zeitalter für die Überreste von Drachen und Ungeheuern gehalten wurden und auf diese Weise manche Sage inspiriert haben mögen. Damit hatte mein Entschluss jedoch nichts zu tun, nein, es gab einen anderen Grund, der tief in meiner Vergangenheit begraben liegt.
Dazu müssen wir in eine Zeit zurückreisen, in der Computer noch eine Seltenheit waren und kaum jemand ein Handy hatte; das Internet kannten die meisten allerhöchstens aus Gerüchten. Willkommen in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Die Neunziger? Wirklich? Das kann doch gar nicht sein, werdet Ihr Euch denken. Doch der Grundstein meines schriftstellerischen Schaffens wurde tatsächlich bereits gelegt, als ich noch im Kindergarten war. Nicht älter als fünf Jahre kann ich gewesen sein, als ich dort ein Bilderbuch fand, in dem ein Euoplocephalus abgebildet war.
Was ist denn nun ein Euoplocephalus, werdet Ihr Euch vielleicht fragen. Nun, die Suchmaschine Eures Vertrauens wird Euch da sicherlich weiterhelfen. Der Euoplocephalus war in diesem Bilderbuch jedenfalls als Dinosaurier mit einem lustigen Gesicht dargestellt und gefiel mir auf Anhieb so gut, dass ich ihn bald zu meinem Lieblingstier erhob. Mein Bruder war damals ein Anhänger des allseits beliebten und ungleich berühmteren Tyrannosaurus. So kam es, dass wir im Spiel in die Rolle dieser beiden ausgestorbenen Tiere schlüpften. Bekämpften die beiden Dinosaurier einander zunächst noch, wurden sie schnell Freunde. Von einem Raumschiff entführt landeten sie auf einem anderen Planeten, wo sie nicht länger nur Tiere waren, die ihren primitiven Instinkten folgten, sondern Wesen, die sich allzu menschlich verhielten. Auf jenem Planeten blieben Tyrannosaurus und Euoplocephalus nicht lange allein. Eine ganze Stadt voller Saurier erwartete sie. Da waren unter anderem Tyrannosaurus‘ Bruder Rex (eine Sauriervariante von Dagobert Duck inklusive Geldspeicher), das Schwarze-Saurier-Phantom (dem Bösewicht aus einem Micky Maus-Heft nachempfunden), Kakerlakosaurus (ein Hybrid aus Saurier und Insekt, wie auch immer der entstanden sein mag) und viele, viele mehr. Um die beiden Dinosaurier, ihre Freunde und Verbündeten, Widersacher und Feinde entstand eine Welt, die voll war von hunderten bunten Charakteren und Dutzenden seltsamen, lustigen, aber auch spannenden Geschichten.
Über die Jahre wurde T.EU. (ein Kürzel für Tyrannosaurus und EUoplocephalus) immer größer und umfangreicher. Das Spiel war längst kein Spiel mehr. Bereits, als ich noch die Volksschule besuchte, hatte ich große Pläne, was die Zukunft von T.EU. betraf. So träumte ich davon, daraus ein Comicheft zu machen, ja in weiterer Folge sogar eine Zeichentrickserie mit mehreren Staffeln. Kurz gesagt: Ich wollte die ganze Welt an T.EU. teilhaben lassen.
Aber was hat das jetzt alles mit meinen Büchern zu tun? Nun, T.EU. spielte in einer Welt, die mehr oder weniger der unseren entsprach. Abgesehen von den Sauriern, die in dieser Welt die Rolle der Menschheit übernommen hatten, war sie bisweilen sogar ein wenig futuristisch – ich sage nur: fliegende Autos, Rollschuhe mit Raketenantrieb, Laserschwerter und so weiter. Nichtsdestoweniger ähnelte die Welt von T.EU. mehr unserer Gegenwart als einer mittelalterlichen Fantasywelt.
Doch hatte auch diese Welt eine Vergangenheit. Der Erzfeind der Helden war Malignos, der Herr des Bösen, ein früher Entwurf von Voréos, dem Herrn der Finsternis. Dieses drachenartige Ungeheuer war viele Jahrhunderte vor Beginn der eigentlichen Handlung eingesperrt worden; und zwar von den Vorfahren Euoplos – wie der Euoplocephalus mittlerweile hieß – und Lystris – eines Sauriers der Gattung Lystrosaurus, der über die Jahre zum Lieblingssaurier meines Bruders geworden war und als Euoplos bester Freund in T.EU. auftrat. Auch der Vorfahre von Toni Tyrannosaurus – des ursprünglichen Tyrannosaurus – war Teil dieser Vorgeschichte und trug den Namen König Rex. Dreimal dürft Ihr raten, welchem Charakter aus meinen Büchern dieser König Rex schließlich als Vorlage diente.

Damit schließt sich nun der Kreis. Die Vorgeschichte zu T.EU., die sich in einer Art Mittelalter jener Welt abspielte, eignete sich nämlich ausgezeichnet für mein Vorhaben, epische Fantasy zu schreiben; quasi einen „Herrn der Ringe“, nur mit Dinosauriern.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.