Einblicke #17: Vom Ungeheuer zum tragischen Helden und wieder zurück

Neben der Meereshexe und dem Herrn der Finsternis taucht im fünften Teil meiner »Die Winde des Schicksals«-Reihe ein weiterer Gegenspieler für meine Helden auf, der in gewisser Weise noch viel gefährlicher ist als die zuvor genannten. Die Rede ist von Olomru oder Zaachyrr, wie die Mursogi das gewaltige Ungeheuer nennen, das von Norden her über die Welt hereinbricht, um nichts als Tod und Zerstörung zu bringen. Von den Mursogi als Gottheit verehrt gleicht es mit seinem riesigen, Berge überragenden Körper mehr einer Urgewalt als einem Lebewesen. Wie unbedeutende Ameisen wirken meine Helden dagegen und ebenso wie diese sind sie seiner Wut scheinbar schutzlos ausgeliefert.

In der Mythologie, die ich als Hintergrund meiner Geschichten entworfen habe, nimmt Olomru bei der Schöpfung der Welt eine wichtige Rolle ein. Bereits, bevor die Götter aus den Weiten des Alls nach Sarucho kamen, trieb es dort mit seinem Erzfeind Chelnaxu sein Unwesen und verwüstete im Kampf mit diesem wieder und wieder die gesamte urzeitliche Welt. So wurde es dann zum ersten Hindernis, das die Götter im Streben nach der Vorherrschaft über Sarucho überwinden mussten.

Doch bereits bevor ich Olomru seinen endgültigen Platz in meinem Weltengefüge zuwies, hatte es in meiner Mythologie eine wichtige Rolle. So gehörten sein Kampf gegen den Drachen Oruwalyru und der darauffolgende Fall von Argurlond zu den ersten Geschichten, die ich vor vielen Jahren – noch in meiner Schulzeit – zu Papier brachte. Ein kurzer Ausschnitt war diese Geschichte nur, doch entstand sie bereits vor dem Manuskript von »Der Weiße Schatten«. Olomru hieß in dieser Fassung noch Graniton und war ein Diener des Herrn der Finsternis in der Gestalt eines gewaltigen Ungeheuers. Die Hintergrundgeschichte, die ich mir dazu ausdachte, war insofern interessant, da sie mit der des – in meinen Büchern gelegentlich erwähnten – Helden Arcios zusammenhing. Arcios selbst war in dieser Version, nachdem er im Kampf gegen die Finsternis deren Verlockungen verfallen war, über viele Jahrhunderte hinweg durch die Kraft einer verzauberten Rüstung zu Graniton geworden. Dadurch war aus dem erbittertsten Feind des Herrn der Finsternis dessen mächtigster Verbündeter geworden.

Doch Granitons Auftritt in dieser Geschichte war nicht sein erster. Seine eigentlichen Ursprünge liegen nämlich noch viel weiter in der Vergangenheit. Denn wie viele andere Charaktere aus meinen Büchern kam er bereits bei T.EU. vor. Dort war er ebenfalls ein Diener des Herrn der Finsternis gewesen, der jedoch bereits lange vor der eigentlichen Handlung getötet worden war. Bei seinem Fall hinterließ er eine gewaltige Schlucht – die sogenannte Saurierschlucht. Dort ging sein Geist auch noch in späteren Zeiten um – aber nicht, um als Diener der Finsternis Rache zu nehmen, sondern als Verbündeter von T.EU., der, um Erlösung zu finden, Buße für seine vergangenen Verbrechen tat.

So wurde aus einem Charakter, der ursprünglich ein Ungeheuer auf der Suche nach Vergebung war, ein gefallener Held, der all seine früheren Überzeugungen verraten hatte. Schließlich verwarf ich beide Entwürfe zugunsten des urweltlichen Übels, das einzig sich selbst diente und nur für die Zerstörung lebte.

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