Erbarior

Geschichte

Gründung

Das Königreich Erbarior wurde im Jahr 1176 E.Z. gegründet, nachdem Xerónos die Truppen Auvagans unter Remulea in der Schlacht am Hasenfeld besiegt hatte. Noch auf dem Schlachtfeld hielt Xerónos eine Rede, nach der die Könige der umliegenden Ländereien ihm ihre Krone zu Füßen legten. Danach ließ er sich vom Volk zum ersten König von Erbarior krönen. Somit umfasste das Reich bei seiner Geburt weite Teile von Elarenia, wurde im Westen von den Stille Hügel und im Osten vom Fluss Bresill begrenzt. Auf dem Hügel Wirinad gründete Xerónos die Stadt Solmanad, die er sich zum Sitz erwählte und damit zur Hauptstadt des jungen Reiches wurde. Xerónos unterhielt gute Beziehungen zu den umliegenden Reichen, sogar mit Auvagan schloss er Frieden. Nachdem er dreißig Jahre geherrschte hatte, übergab er die Krone an seine Tochter Xeraya, die ebenfalls dreißig Jahre herrschte, ehe sie zu Gunsten ihrer Tochter Xerélia abdankte. Beide führten die Herrschaft Xerónos‘ fort und strebten nicht nach Eroberungen. Xerélia trat die Krone bereits nach zwanzig Jahren an ihren Sohn Xeruan ab, empfand sie ihre ererbte Macht doch als Bürde.

Ausdehnung des Reiches

Obwohl Xeruan hitziger war als seine Vorgänger, hielt er den Frieden, den diese gepflegt hatten, aufrecht. Als seine Mutter jedoch bei einem Freundschaftsbesuch im benachbarten Wulmanur ermordet wurde, schwur der König bittere Rache. Da die Herrscher von Wulmanur ihm die Mörder seiner Mutter nicht ausliefern wollten, sah er sich gezwungen, seinen Nachbarn den Krieg zu erklären. Er zog die Mörder zur Rechenschaft und eroberte in vielen siegreichen Schlachten ganz Wulmanur und gliederte es an Erbarior an. Damit war der Krieg vorbei, doch Xeruans Hunger nach Macht geweckt. Zwei Jahre später eroberte er Ertanien und große Teile des westlichen Rimalla, ohne auf sonderlich viel Widerstand zu stoßen, war es den Hirten, die diese Gegenden bewohnten, doch gleich, unter wessen Herrschaft sie standen. Damit war Xeruan jedoch noch nicht zufrieden. Er gedachte Auvagans und der Frieden, den sein Urgroßvater mit dem alten Feind geschlossen hatte, erschien ihm närrisch. So überschritt er im Jahr 1270 E.Z. mit einem großen Heer den Bresill und griff Auvagan an. Doch Auvagan war vorbereitet. Xeruan fiel in der Ersten Schlacht von Auvagan und sein Heer wurde beinahe vollständig vernichtet. Da der König keinerlei Kinder hatte, ging die Krone von Erbarior an seinen Bruder Rehuon, der die verbleibenden Truppen sofort aus Niranach zurückzog und die Ufer des Bresill, sowie die Hauptstadt befestigen ließ. Rehuon starb nach sechszehn Jahren Herrschaft an einem Herzleiden und hinterließ die Krone seiner Tochter Renira, die sich fortan bemühte, den brüchigen Frieden mit Auvagan aufrechtzuerhalten.

Die Nordmarken

Wie es Brauch war übergab Renira die Krone, nachdem sie dreißig Jahre lang geherrscht hatte, an ihre Tochter Renipha, die von den Eroberungen Xeruans begeistert danach strebte, die Macht ihres Reiches zu mehren. Da sie in Auvagan einen Feind sah, den sie noch nicht zu bezwingen vermochte, wandte sie sich stattdessen dem Norden zu. Der Hilferuf eines befreundeten Stammesfürst von Theladien aus Theladien spielte ihr in die Hände. Sie besiegte dessen Feinde, blieb jedoch in Theladien, um auch deren Verbündete niederzuwerfen. Dass ihr Gatte dabei fiel, nutze sie als Vorwand für einen Rachekrieg, infolgedessen sie ganz Theladien eroberte. Auch den letzte Widerstand der Stammesfürsten, die sich unter Varuvil, einer Hohepriesterin des Blutschattenkultes, gegen sie verbündet hatten, brach sie rasch. Im Zuge dessen ehelichte sie den König von Guilar, um dessen Unterstützung und Reich zu erlangen. Renipha selbst besiegte Varuvil schließlich im Zweikampf, sodass auch die letzten Stammesfürsten ihre Herrschaft anerkennen mussten. Innerhalb weniger Jahre waren damit auch Theladien und Guilar zu einem Teil Erbariors geworden.

Verbannung

Durch den erbarischen Eroberungsfeldzug im Norden fühlte sich Auvagan mehr und mehr bedroht. In Erinnerung an Xeruans Taten war es diesmal der Erzkanzler von Auvagan, der den ersten Schritt unternahm und mit seinen Truppen in Erbarior einfiel. Elarania wurde verwüstet und schon bald wurde Renipha, die mit ihrem zweiten Kind schwanger war, in Solmanad belagert. Zwei Jahre dauerte diese Belagerung, denn die Erbaren leisteten erbittert Widerstand. Schließlich wurde die Stadt dann aber doch erobert. Da in den Jahren der Belagerung auch Wulmanur und Ertanien in die Hände Auvagans gefallen waren, blieb Renipha und ihren Kindern nur die Flucht nach Theladien. Die Königin ließ sich in Agar Eteon nieder und herrschten von dort aus über Theladien und Guilar – die einzigen Länder, die ihr geblieben waren. Während Renipha nun darüber nachsann, wie sie den Rest ihres Reiches zurückgewinnen würde können, wurde sie vom Blutschattenkult ermordet. Reruan, der Sohn der Königin aus erster Ehe, bestiegt den Thron in der Verbannung. Schon zu Beginn seiner Herrschaft hatte der König mit Aufständen in Theladien zu kämpfen. Dazu kam, dass viele Adelige aus Guilar seine Herrschaft nicht anerkannten. So war er Zeit seines Lebens damit beschäftigt, das Reich, das ihm geblieben war, zusammenzuhalten. Als einer der Sieben Herrscher nach Theladien eindrang, fand Reruans Herrschaft ein jähes Ende und da auch die Kinder des Königs infolgedessen starben, wurde dessen Halbbruder Helvetor gekrönt. Dieser schlug die Truppen der Culmorier zurück und verhinderte, dass sie erneut nach Theladien einfielen.

Eroberung Auvagans

Als Arcios wiedererwachte und die Völker des Nordens um Unterstützung im Krieg der Sieben Herrscher bat, entsandte Helvetor nur wenige, fürchtete er doch, das der Blutschattenkult in Abwesenheit der Truppen die Macht in Theladien ergreifen würde. So kam es, dass Erbarior im Gegensatz zu Auvagan beinahe ungeschwächt aus dem Krieg der Sieben Herrscher hervorging. Dies nutzte der König, um sein Reich zurückzuerobern. Dabei stieß er bei den geschwächten Truppen Auvagans auf wenig Widerstand, sodass er nach dreißig Jahren Verbannung nach Solmanad zurückkehren konnte. Da Helvetor jedoch mit diesem Sieg noch nicht zufrieden war, griff er erneut Auvagan an. Die Zweite Schlacht von Auvagan im Jahr 1366 E.Z. wütete noch härter als die erste und der König fand den Tod. Helvetors Sohn Xeromot, der die Krone seines Vaters erbte, zog sich mit den verbleibenden Truppen hinter den Bresill zurück und setzte die Befestigungsanlagen entlang des Flusses wieder in Stand. Im fünfundzwanzigsten Jahr seiner Herrschaft fiel er einem Anschlag des Blutschattenkultes zum Opfer und da er kinderlos war, wurde sein Bruder Xeruan zum König gekrönt. Xeruan ließ alle Anhänger des Blutschattenkultes gnadenlos verfolgen. Zudem griff er erneut Auvagan an, doch war sein Heer um ein Vielfaches größer und besser ausgerüstet als das seiner Vorgänger. So gelang es ihm dann schließlich nach einer kurzen Belagerung die feindliche Stadt im Jahr 1412 E.Z. zu erobern. Damit beanspruchte er auch die Herrschaft über alle Ländereien, die von Auvagan abhängig waren, für sich. Entgegen seines ursprünglichen Vorhabens ließ er die Stadt nicht niederbrennen, war er doch sehr von ihrer Schönheit angetan. Stattdessen ließ er unzählige Schätze und Kunstwerke von Auvagan nach Solmanad bringen, um die Hauptstadt damit zu schmücken. Während er sich als großen Sieger feierte, nahm er den Auvaganern alle Rechte und unterdrückte sie gnadenlos. So war es wenig verwunderlich, dass Xeruan kaum zwei Jahre nach der Eroberung einem Aufstand in Auvagan zum Opfer fiel. Seine Tochter Xeraya, die nach ihm zur Königin gekrönt wurde, setzte es sich zum Ziel, alle Aufstände niederzuschlagen und die noch unabhängigen Gebiete des einstigen Auvagan unter ihre Herrschaft zu bringen. Vielerlei Krieg führte sie in Rhunasur im Osten, wo sie schließlich auch, nachdem sie die Krone nur zwei Jahre lang getragen hatte, dasselbe Schicksal wie ihr Vater erlitt und in einem Aufstand starb. Xerayas Schwester Chalomis bestieg nun den Thron und sagte sich von den Taten ihrer Vorgänger los. Sie setzte nun verstärkt auf Verhandlungen mit den unterworfenen Gegenden und gab deren Einwohnern ihre Rechte zurück. Sie war es auch, die den Kronrat in Anlehnung an Auvagans Rat der Mächtigen gründete und dem Volk damit die Möglichkeit gab, die Geschicke des Reiches mitzubestimmen. Zudem stellte sie Auvagan dem Recht nach mit Solmanad gleich. Sie nahm auch den Rang der Erzkanzlerin an, um ihrem Herrschaftsanspruch auf Auvagan gerecht zu werden. Damit beendete sie die jahrhundertelange Fehde zwischen Erbarior und Auvagan, wobei zweites nun endgültig ein Teil Erbariors wurde.

Temaos‘ Fluch

Chalomis herrschte dreißig Jahre lang, ehe sie die Krone an ihren Sohn Chalomot weitergab. Dieser ruhte sich jahrelang auf den Errungenschaften seiner Mutter aus und tat nichts, um den Einfluss des Reiches auszuweiten oder seine Macht zu erhalten. Als Rhunasur sich für unabhängig erklärte, schritt er nicht ein. Drei Jahre bevor er die Krone an seinen Sohn übergeben konnte, starb er. Temaos, Chalomots Sohn, hielt nichts von der Untätigkeit seines Vaters und zog, sobald er die Krone trug, nach Osten um Rhunasur zurückzuerobern. Gegen die Aufrührer ging er mit äußerster Grausamkeit vor. Die Rückeroberung Rhunasurs stellte ihn nicht zufrieden, sodass er sich auch gegen das benachbarte Lirasur wandte, in das viele der Aufrührer geflohen waren. Er eroberte das Land und schreckte dabei nicht einmal davor zurück, Priester auf heiligem Boden zu töten, woraufhin ihn einer von diesen mit einem Fluch belegte. Dieser Fluch traf nicht nur den König sondern dessen gesamtes Reich. So kam es in den folgenden Jahren wiederholt zu großen Ernteausfällen, während eine sieben Jahre anhaltende Dürre Erbarior fest im Griff hatte. Mit dem Ende der Dürre kam das Graue Fieber, das ganze Dörfer und Städte entvölkerte. Freilich bat der sture Temaos die Götter nicht um Verzeihung für seine Untaten, doch glaubte er, dem Fluch Herr zu werden, indem er seine Tochter Enivia mit dem Almar Leirion verheiratete. Der Fluch erlosch jedoch erst als Temaos selbst nach langem Leiden am Grauen Fieber starb.

Die Eroberung Althaims

Als Enivia den Thron ihres Vaters bestieg, tat sie in den ersten Jahren ihrer Herrschaft ihr bestes, das von Dürre und Seuche verwüstete Reich wiederaufzubauen und das Vertrauen des Volkes in das Herrschergeschlecht wiederherzustellen. Zusätzlich ließ sie zahlreiche Tempel errichten, um die Götter gnädig zu stimmen. Als sie nach dreißig Jahren die Krone an ihren Sohn Elvero übergab, waren die Übel, die ihr Vater über Erbarior gebracht hatte, schon beinahe wieder vergessen. Elvero nun war von almarischem Blut und viele Erbaren, aber auch Almári sahen in ihm einen Hoffnungsträger, der die Welt in ein goldenes Zeitalter führen würde. Zunächst wurde Elvero den Erwartung vollkommen gerecht. Er ließ die Königliche Bücherei von Solmanad errichten, die viele Almári nach Erbarior lockte. Zusätzlich verbot er den Blutschattenkult im gesamten Reich. Außerdem gliederte Elvero das Fürstentum Senolien an Erbarior an, das sich freiwillig seiner Herrschaft unterworfen hatte. Seiner Errungschaften wegen störte sich niemand daran, als Elvero die Krone nicht nach dreißig Jahren niederlegte. Stattdessen wandte er sich Althaim zu, dem Land, aus dem das Volk seiner Mutter einst gekommen war. Zwischen den kleinen Königreichen dieses Landes herrschte zu jener Zeit beständig Krieg, sodass Elvero sich entschloss, für Frieden zu sorgen und Althaim zugleich zu einem Teil seines Reiches zu machen. Dabei stieß er jedoch auf beträchtlichen Widerstand, denn viele der Königreiche wollten sich seiner Herrschaft nicht fügen. Viele Jahre verbrachte Elvero in Althaim, wo er schließlich auch den Tod fand, als er den Drachen Althorn zum Zweikampf herausforderte. Da Elvero keinerlei Kinder hatte, ging die Krone nach seinem Tod an seine nächste Verwandte – seine Großnichte Femonia. Diese war stets von schlechter Gesundheit gewesen und gab die Krone nach nur zwei Jahren an ihre Tochter Feveréa weiter, ehe sie ein weiteres Jahr später ihrer Krankheit erlag. Feveréa, die bereits unter Elvero in Althaim gekämpft hatte, setzte die Bemühungen ihres Urgroßonkels fort und verbrachte die ersten sechzehn Jahre ihrer Herrschaft damit, die Reste von Althaim, aber auch das bisher unabhängige Umenach zu unterwerfen. Erst als dies zu ihrer Zufriedenheit geschehen war, kehrte sie nach Solmanad zurück, um von dort aus über ihr gewaltiges Reich zu herrschen.

Das Knochenvolk

Als Feveréa bereits eine alte Frau war, fiel das Knochenvolk von Nordosten her nach Lirasur ein. Die Königin selbst führte ihr Heer gegen die Eindringlinge und schlug diese scheinbar über die Amnua zurück. Als sie ihres Sieges gewiss nach Solmanad zurückkehren wollte, fiel ihr der Feind jedoch in den Rücken. Neben vielen anderen tapferen Krieger ließ auch die Königin dort ihr Leben, während das Knochenvolk ganz Lirasur unterwarf und die erbarischen Truppen bis an die Grenzen Rhunasurs zurückdrängte. Feveréas Nichte Meránea folgte ihrer Tante auf den Thron und bemühte sich mehrmals vergeblich, Lirasur zurückzuerobern. Unruhen brachen daraufhin im ganzen Reich aus und um diese zu unterbinden, heiratete Meránea einen Fürsten aus Althaim. Eine Schwangerschaft zwang sie, nach Solmanad zurückzukehren, doch als ihre Tochter Merophyle acht Jahre alt war, zog sie erneut gegen das Knochenvolk zu Felde. Neben vielen Niederlagen gelang es Meránea schließlich, die Häfte Lirasurs zurückerobern. Des Krieges müde handelte sie einen brüchigen Frieden mit dem Knochenvolk aus, ehe sie nach Solmanad zurückkehrte, jedoch ihr Heer an der neuen Grenze zurückließ. Nachdem sie dreißig Jahre geherrscht hatte, übergab Meránea die Krone dem Brauch gemäß an ihre Tochter.

Bruderkrieg

Merophyle hielt sich, so gut es ging, von Lirasur und dem Knochenvolk fern. Die Führung der Truppen überließ sie ihren Zwillingssöhnen Meroriel und Meranil. Zwar war sie eine umsichtige Königin, wurde aber auch von vielen als schwach angesehen. Dennoch herrschte sie dreißig Jahre lang, ehe sie die Krone an Meroriel weitergab. Dass Meroriel König wurde, führte dazu, dass sich sein Zwillingsbruder Meranil übergangen fühlte. Ein Jahr nach der Krönung versuchte dieser deshalb seinen Bruder zu stürzen. Da der Anschlag misslang, blieb Meranil nur die Flucht. Mit seinen Verbündeten zog er sich nach Nyktaven zurück, das noch nicht unter erbarischer Herrschaft stand. Meroriel gelang es nicht, seinen Bruder zur Rechenschaft zu ziehen, hatte doch das Knochenvolk den Frieden gebrochen. Trotz aller Bemühungen des Königs verlor Erbarior mehr und mehr an Boden, sodass Meroriel einsehen musste, dass er dieser Bedrohung nicht ohne Verbündete von außerhalb Einhalt gebieten würde können. Aus diesem Grund schickte er seine Tochter Meromis nach Vanrania, um die Hilfe des Waldvolkes zu erbitten. Meromis heiratete einen Fürsten aus Vanrania und sicherte Erbarior so ein Bündnis, das viele Jahrhunderte überdauern sollte. Währenddessen hatte der Verräter Meranil die Nyktaren dazu überredet, Erbarior den Krieg zu erklären. So fiel er seinem Bruder in Lirasur in den Rücken und begann damit den Bruderkrieg. Infolgedessen verbündeten sich die Nyktaren mit dem Knochenvolk und überzog ganz Lirasur mit Krieg. Dabei fand Meroriel den Tod, sodass seine Tochter Meromis zur Königin gekrönt wurde. Diese kämpfte jahrelang vergeblich gegen das Knochenvolk und die Nyktaren, wurde jedoch immer weiter zurückgedrängt, sodass sie schließlich sogar Teile von Rhunasur und ganz Guilar aufgeben musste. Doch das Bündnis zwischen Knochenvolk und Nyktaren war nicht von Dauer und zerbrach bald. Dies nutzte Meromis‘ Sohn Menvalon, um zum Gegenschlag auszuholen. Er vereinte Erbaren und Waldvolk unter seinem Banner und fiel von Vanrania aus über die zerstrittenen Feinde her, während seine Mutter diese von Westen her bedrängte. So gelang es Menvalon nicht nur Guilar und Rhunasur, sondern ganz Lirasur zurückzuerobern. Dabei ließ er es jedoch nicht bewenden, zog er doch sogleich weiter nach Lewinien, um den Verräter Meranil zur Rechenschaft zu ziehen. Er belagerte Nyktaven und forderte die Auslieferung seines Großonkels, doch da dieser sich das Leben nahm, wurde die Stadt mit Gewalt erobert. Wenige leisteten Widerstand und so endete der Bruderkrieg, indem auch auch Lewinien unter die Herrschaft Erbariors fiel.

Der Gipfel der Macht

Aufgrund seiner zahlreichen Erfolge im Kampf gegen das Knochenvolk und im Bruderkrieg trat Meromis die Krone früher als es der Brauch verlangte an ihren Sohn ab. Menvalon herrschte nun über ein gewaltiges Reich und er tat alles in seiner Macht stehende, um die vom Krieg zerstörten Gebiete wieder aufzubauen. Zudem ließ er viele Straßen errichten und wandte sich auch dem Handel auf den Seewegen zu, hatte Erbarior doch mit Lewinien einen Zugang zum Inneren Meer gewonnen. Durch seine Taten im Krieg wie im Frieden ging Menvalon als größter König seit Xerónos und Elvero in die Geschichte ein. Nach dreißig Jahren übergab er die Krone an seine Tochter Fevérea. Diese tat ihr bestes, um in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, fiel jedoch in Lirasur, als dort erneut das Knochenvolk einfiel. Auf Feveréa folgte ihr Sohn Xeronor, der dem Knochenvolk eine vernichtende Niederlage beibrachte und es über die Amnua zurücktrieb. Xeronor war ein Gelehrter und Forscher, der wenig für das Lenken eines Reiches übrig hatte. Meist ließ er dies durch den Kronrat geschehen und sobald sein Sohn Xeromot zwanzig Jahre alt war, übergab er diesem die Krone, um sich fortan einem Geschichtswerk zu widmen. Xeromot erlangte Bekanntheit für seine vielen Bauvorhaben. Er strebte nicht nach Eroberung, sondern Verbesserung dessen, was er schon hatte. So ließ er um die Hauptstadt zahlreiche neue Straßen und Wasserleitungen errichten. Auf Xeromot folgte seine Tochter Xeraya, die nur ein Jahr lang herrschte und im Kindbett starb. Daraufhin nahm sich Xerayas Bruder Recalion des Reiches an. Dieser hielt sich nur selten in der Hauptstadt auf und war bestrebt, die Beziehungen zu anderen Völkern zu verbessern. So erneuerte er mit Hilfe der Könige von Styronna und Umar Enor die alten Handelswege in den Süden. Doch auch Recalion erlebte das dreißigste Jahr seiner Herrschaft nicht, fiel er doch bei einem Besuch in Werenvach mitsamt seinen Kindern einem Anschlag zum Opfer. So ging die Krone an Recalions Bruder Reruan. Dieser herrschte siebenundzwanzig Jahre lang und tat sich durch keinerlei besondere Taten hervor. Auf Reruan folgte seine seine Tochter Meránea, die das Straßennetz ihrer Vorgänger vollendete. Meránea gab die Krone an ihren Sohn Renaon weiter und dieser an Ligaronos, der sich bereits in jungen Jahren als Gelehrter und Förderer von Wissenschaft und Kunst hervortat. Er gründete die Königliche Lehranstalt für Höhere Wissenschaften, um den Erbaren eine Möglichkeit zu geben, außerhalb von Agomitur Fachwissen zu erlangen. Zugleich begann Ligaronos auch mit dem Bau einer zweiten Stadtmauer um die Außenbezirke Solmanads, die längst nicht mehr innerhalb der Mauern Platz fanden. Diese Mauer nannte er den Xerdon. Ligaronos trat nach dreißig Jahren ab und widmete sein Leben der Forschung, aber auch dem Unterricht an der von ihm gegründeten Lehranstalt. Ligaronos‘ Sohn Ligaromot teilte die Wissbegier seines Vaters und trug die Krone nur fünf Jahre lang, ehe er sie an seine Tochter Xerélia weitergab, um sich ebenfalls der Forschung zu verschreiben. Er starb, als er in einem missglücklten Versuch einen ganzen Flügel der Lehranstalt in Flammen aufgehen ließ. Xerélia herrschte dreißig Jahre lang und trat die Krone an ihren Sohn Reruan ab. Dieser war dafür bekannt, dass er mehr Zeit auf der Jagd als auf dem Thron verbrachte. Um die Staatsgeschäfte kümmerte sich seine Schwester Renipha, an die auch die Krone ging, als Reruan im dritten Jahr seiner Herrschaft bei einem Jagdunfall ums Leben kam.

Verlust Althaims

Renipha weihte den Xerdon ein, der nach einem halben Jahrhundert Bauzeit endlich fertiggestellt war. Auf sie folgte ihre Tochter Reomis, die den Namen der Hauptstadt in Xerdon änderte. Unter ihrer Herrschaft fielen die Aurokanisa zum ersten Mal in Althaim ein. Die Königin schickte daraufhin ihren Sohn Marantor nach Althaim, um der Bedrohung Herr zu werden. Marantor vertrieb die Eindringlinge mit Feuer und Schwert aus dem Reich und als er nach Xerdon zurückkehrte, trat seine Mutter die Krone an ihn ab. Bereits ein Jahr nach seiner Krönung musste Marantor erneut gegen die Aurokanisa zu Felde ziehen, die nun in größerer Zahl nach Althaim strömten. Innerhalb von fünf Jahren brachte das Volk aus dem Norden den Erbaren einige so vernichtende Niederlagen bei, dass Marantor sich schließlich aus Althaim zurückzog. Die Aurokanisa ließen sich dort nieder und nannten das Land Lau-Onn. Dies erzürnte den König so sehr, dass er dem jungen Königreich, das er weiterhin als Teil seines Reiches ansah, den Krieg erklärte. Damit begann der Erste Krieg zwischen Erbarior und Lau-Onn. Bis zu seinem Tod bekämpfte Marantor die Aurokanisa und ließ sich auch von wiederholten Niederlagen nicht davon abschrecken, wieder und wieder die Schlacht zu suchen. Als er schließlich in einer dieser Schlachten fiel, übernahm sein Sohn Maranaon die Herrschaft über Erbarior. Dieser zog sich alsbald mit all seinen Truppen über den Fluss Graloss zurück, sah er doch ein, dass er dem Feind nicht gewachsen war. Die Aurokanisa nutzten den Rückzug des Königs, um ihrerseits in Erbarior einzufallen. Sie eroberten Wulmanur im Sturm und zogen bis nach Xerdon, das nun zum ersten Mal seit vielen hundert Jahren belagert wurde. Maranaon floh vor den anrückenden Truppen nach Auvagan und überließ die Hauptstadt sich selbst. Es war an seinem Statthalter Thirnon, den Aurokanisa zu trotzen. Zwei Jahre lang wurde Xerdon belagert, ehe Maranaon sich dazu entschied, die Sicherheit Auvagans zu verlassen und sein Reich zurückzuerobern. Er durchbrach die Belagerung und vertrieb die Aurokanisa aus Wulmanur. Daraufhin ließ er die Übergänge über den Gralos befestigen, bevor er weiter nach Althaim vorstieß. Thirnon riet ihm davon ab, doch schlug der König den Rat seines Statthalters in den Wind und griff die Aurokanisa in Lau-Onn an. Dort fiel er in der Schlacht. Da Maranaons Sohn Melmacar zu dieser Zeit gerade einmal drei Jahre alt war, man ihn in der Erbfolge jedoch nicht übergehen wollte, wurde die Herrschaft einstweilen Thirnon übertragen, der den Krieg mit Lau-Onn nach siebenundzwanzig Jahren beendete, indem er Althaim und Umenach an die Aurokanisa abtrat und alle erbarischen Truppen von dort abzog. Im Gegenzug forderte er von den Aurokanisa nur, den Gralos als Grenze zu achten. Damit verlor Erbarior zwar seine westlichen Fürstentümer, der Frieden war jedoch wiederhergestellt.

Tausendjahrfeier

Als Melmacar das vierzehnte Lebensjahr erreichte, gab Thirnon die Herrschaft Erbariors in dessen Hände, diente ihm jedoch weiterhin als Statthalter. Melmacar folgte stets seinem Rat und so kam es zu keinem weiteren Krieg mit Lau-Onn. Nach dreißig Jahren übergab der König die Krone an seinen Sohn Melmagon. Dieser war ein leichtlebiger Mann, der nicht viel von Verantwortung hielt und gerne dem Wein und anderen Vergnügungen zusprach. Er herrschte nur zwei Jahre lang, ehe er betrunken von der Palastmauer fiel und starb. Da sein Sohn Xeromot erst neun Jahre alt war, übernahm erneut Melmacar die Herrschaft über Erbarior. Erst als er befand, dass sein Enkel bereit dafür war, überließ er diesem die Krone. Xeromot herrschte dreißig Jahre lang, ehe der die Herrschaft an seine Tochter Xerélia übergab. Unter dieser feierte das Reich Erbarior sein tausendjähriges Bestehen mit einem gewaltigen Fest. Im selben Jahr wurde Xerélias Sohn Xerónos geboren. Dass dieser denselben Namen wie der Gründer des Reiches tragen sollte, wurde von manchen als glückliches, von anderen als böses Vorzeichen gedeutet. Nichtsdestoweniger wurde Xerónos König. Seine Herrschaft wehrte jedoch nur sieben Jahre lang, ehe er von einer seltsamen Krankheit, die manche als Strafe der Ahnen sahen, dahingerafft wurde. Damit kam unverhofft Xerónos‘ Schwester Xeraya an die Macht.

Gescheiterter Ostfeldzug

Auf Xeraya folgte ihr Sohn Xeruan, der erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder an Eroberung dachte. Da er sich durch das Wort Thirnons gebunden sah, Lau-Onn im Westen in Frieden zu lassen, wandte er sich dem Osten zu. In einem wahnwitzigen Feldzug gedachte er, Pategra und das Knochenvolk zu unterwerfen. Unzählige Erbaren verloren bei diesem Unternehmen in den zerklüfteten Landen am Oberlauf des Olirin ihre Leben, ehe auch der König selbst den Tod fand. Auf Xeruan folgte Xerator, der nach nur einem Jahr der Herrschaft beim Versuch seinen Vater zu rächen ebenfalls im Land des Knochenvolkes sein Ende fand. Xerators Bruder Renaon wurde daraufhin zum König gekrönt und zog sofort alle Truppen aus dem Osten hinter die Amnua zurück. Dort ließ er die Ufer befestigen und stellte eine Wache auf, um einen neuerlichen Einfall des Knochenvolkes zu verhindern. Renaon herrschte dreißig Jahre und als der befürchtete Angriff aus dem Osten nicht kam, zog er einen Großteil der Truppen aus Lirasur ab.

Regnadons Wahnsinn

Nach Renaon herrschte seine Tochter Renira erneut über ein Reich im Frieden. Neben einer Tochter gebar diese im Jahr 2280 E.Z. einen Sohn mit dem Namen Regnadon. Seit frühester Kindheit träumte dieser von Althaim und sehnte sich danach, das verlorene Land zurückzuerobern. Seine Aussichten, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, waren freilich gering, wollte seine Mutter doch nichts davon wissen und auch seine Schwester Reomis, die vor ihm in der Erbfolge stand, war von dieser Vorstellung nicht angetan. So kam es, dass Regnadon im Jahr 2303 E.Z. seine Mutter, seine Schwester und all seine Verwandten töten ließ und sich zum König von Erbarior krönte. Im drauffolgenden Jahr setzte er alles daran, alle Ahnen Xerónos‘ in Erbarior auszumerzen, auf dass er und seine Kinder die einzigen wären, die Anspruch auf die Krone hätte. Erst als er diesen Anspruch gesichert sah, wandte er sich seinem eigentlichen Feind Lau-Onn zu und überzog das Reich mit Krieg. Siebenunddreißig Jahre lang dauerte dieser Zweite Krieg zwischen Erbarior und Lau-Onn. Der Krieg fand erst ein Ende, als Recalion, Regnadons Sohn aus zweiter Ehe, seinen Vater mit der Hilfe einiger verbündeter Adeliger entmachtete. Regnadon landete im Verlies, wo er wenige Jahre später starb, Recalion wurde zum König gekrönt.

Jüngere Geschichte

Recalions Herrschaft war zunächst von den Bemühungen des Falschen Friedens gekennzeichnet. In dieser Zeit erklärte sich das Fürstentum Guilar unabhängig und Recalion hatte keine andere Wahl, als es gewähren zu lassen. Währenddessen versuchte er immer wieder, einen weiteren Krieg mit Lau-Onn zu verhindern. Doch gab es auf beiden Seiten Kriegstreiber, die gegen ihn arbeiteten, sodass es schließlich doch zum Krieg kam. Sechs Jahre lang dauerte dieser und erneut wurde Xerdon belagert. Schließlich gelang es Recalions Freund Raruonor, dem Großkönig von Vanrania, den Krieg zu beenden, woraufhin Erbarior und Lau-Onn dauerhaft Frieden schlossen. Als im Jahr 2363 E.Z. unerwartet Mursogi in den Norden von Theladien einfielen, eilte Recalion seinem Volk dort zu Hilfe. Von seinem Freund und Heermeister Daiwanir hintergangen, starb der König dort, als er in einen Hinterhalt geriet. Daraufhin wurde sein Sohn Rexian zum König gekrönt. Dieser wurde bereits im ersten Jahr seiner Herrschaft von Mursogi entführt, die sich mit Daiwanir und dem Blutschattenkult verbündet hatten. In der Abwesenheit des Königs brachen Unruhen in Erbarior aus. Theladien fiel unter die Herrschaft der Mursogi, während Daiwanir die Macht in Xerdon an sich riss, um sich für seine Gattin Tharene, die in Wahrheit Regnadons Tochter Virisare war, zum König krönen zu lassen. Währenddessen zog Poredios, der Fürst von Auvagan, seine Truppen zusammen, um seine Base Reméa, Rexians Schwester, zu unterstützen, sollte es zum Krieg kommen. Ein Bürgerkrieg konnte nur durch Rexians Wiederkehr mit der Hilfe Narons vermieden werden. Daiwanir starb infolgedessen und Rexian rückte den Mursogi in Theladien mit einem großen Heer zuleibe. Nach zahlreichen Schlachten gelang es ihm, den Feind von dort zu vertreiben und den Frieden wiederherzustellen. Als Rexian im Sommer des Jahres 2366 E.Z. auf Bitten Raruonors an einem Friedensfest in Dewodios teilnahm, tötete Rarinos, der Sohn des Großkönigs, seinen Vater und riss die Macht in Vanrania an sich. Erzürnt über Rarinos‘ Taten erklärte Rexian diesem den Krieg, nachdem er sich in seine Heimat durchgeschlagen hatte.


Einflussbereich

Erbarior erstreckte sich von Elarania aus in alle Himmelsrichtungen. Am Gipfel seiner Macht wurde es im Süden und Westen vom Mondgebirge, im Osten von den Bergen des Morgens, im Norden vom Höllengebirge, den Sichelbergen und dem Fluss Amnua begrenzt. Nachdem das Reich Althaim und Umenach an Lau-Onn abgetreten hatte, bildeten die Flüsse Gralos, Naumin und Tigill die Westgrenze des Reiches. Die Grenzen zu Guilar, das sich nach dem Zweiten Krieg zwischen Erbarior und Lau-Onn von Erbarior losgesagt hatte, bildeten die Flüsse Necon und Sarelun. Im Südosten hatte Erbarior Zugang zum Meer.


Bevölkerung

Die weiten Ebenen von Erbarior wurden von zahlreichen verschiedenen Völkern besiedelt. Zum größten Teil setzten sich die Erbaren jedoch aus Linath, Auvaganer, Vanriern, Enorern und Nyktaren zusammen. Die Linath und Nyktaren waren das, was gemeinhin als „echt erbarisch“ angesehen wurde. Beide waren Völker, die von den Kiretern abstammten, wobei die Linath über den Landweg von Westen her über Althaim nach Erbarior gelangten, die Nyktaren sich dagegen auf dem Seeweg im Osten über Lewinien ausbreiteten. Dazu kamen die Auvaganer und Vanrier, die von den Orvolori abstammten. Erstere hatten sich nach dem Fall Orvolors von Süden her in der Gegend um Auvagan angesiedelt, letztere schon Jahrhunderte früher von Umenach aus über Theldien und Guilar verbreitet. Im Süden Erbariors – vor allem in Ertanien und Rhunasur gab es viele Styronner, die dort ein Leben als Hirten führten, aber ebenfalls zu den Erbaren gezählt wurden. Zu diesen fünf Völkern, die das erbarische Volk ausmachten, kam eine Reihe von Minderheiten, wie etwa die Almári, die über das ganze Reich verstreut lebten oder Aurokanisa, von denen vor allem im Westen Wulmanurs viele zu finden waren. Im Osten Lirasurs lebten auch Nachfahren des Knochenvolkes und in Xerdon und Nyktaven fand man Angehörige aus vielen verschiedenen Völkern.


Gesellschaft

Allgemein

Die erbarische Gesellschaft bestand aus Adeligen und gewöhnlichem Volk, wobei die Grenzen insbesondere beim niedrigeren Adel oft verschwammen. Während die Macht zumeist vom Adel ausging, hatten auch Angehörige des gewöhnlichen Volkes die Möglichkeit, Staatsämter auszuüben oder in Ratsversammlungen gewählt zu werden.

Adelige

  • König

Der König oder die Königin stand an der Spitze der erbarischen Gesellschaft und entstammte dem Geschlecht Xerónos, des ersten Königs. Bei Heirat erhielten auch Gattin oder Gatte den Titel eines Königs oder einer Königin, ohne jedoch über dessen Macht verfügen zu können. Die Kinder des Königspaares trugen Prinzentitel, das älteste Kind wurde als Kronprinz angesprochen. Für gewöhnlich gab ein herrschender König oder eine Königin nach dreißig Jahren die Krone an das älteste Kind weiter. Das Geschlecht des Kindes spielte dabei keine Rolle. Ein abgedankter Herrscher wurde bis zum Tod Königvater oder Königinmutter genannt. Mit der Königswürde waren außerdem die Titel Fürst von Elarenia, Erzkanzler von Auvagan und Graf von Solmanad verbunden. Der König konnte nur durch eine Zweidrittelmehrheit im Kronrat und Fürstenrat abgesetzt werden.

  • Fürsten

Dem König unterstellt waren die Fürsten Erbariors, die über die neun Fürstentümer von Erbarior herrschten. Dort hatten sie mehr oder weniger große Freiheiten, was ihre Machtausübung betraf. Sie durften nach eigenem Gutdünken Gesetze und Steuern erlassen und Urteile sprechen, die nur vom König oder dem Kronrat wieder aufgehoben werden konnten. Auch der Fürstentitel war erblich und wurde für gewöhnlich dem ältesten Kind ohne Rücksicht vermacht. Nur der König oder der Kronrat konnte einen Fürstentitel entziehen oder verleihen. Die meisten Fürsten trugen zugleich die Grafentitel der Städte oder Burgen, in denen sie lebten. Eine Sonderstellung nahm der Fürst von Lewinien ein, der zugleich Oberbefehlshaber der erbarischen Flotte war.

  • Grafen

Die Grafen Erbariors waren den Fürsten unterstellt und verwalteten zumeist größere Städte oder Ländereien, in denen sie Gesetze und Steuern erlassen und Recht sprechen durften. Sie konnten sowohl vom König als auch von den Fürsten und vom Kronrat bestellt oder entlassen werden. Die meisten Grafentitel waren erblich, einige erloschen aber auch mit dem Tod des Trägers.

  • Edle

Der Titel eines Edlen wurde meist jenen verliehen, die sich ein großes Vermögen erwirtschaftet oder sich durch Taten um das Reich verdient gemacht hatten. Manche Edle lebten am Königshof oder an den Fürstenhöfen, während andere über kleine Landsitze herrschten. Im Staatsgeschehen hatten sie kaum mehr Macht als das einfache Volk.

Rate und Beamte

  • Kronrat

Der Kronrat war das Sprachrohr des Volkes von Erbarior. Er setzte sich aus zwei vom Volk gewählten Vertretern aus jedem der Fürstentümer zusammen, wobei zwei zusätzliche Vertreter aus Xerdon und Auvagan gewählt wurden. Somit bestand der Kronrat insgesamt aus vierundzwanzig Ratsherren. Jeder Mann und jede Frau war mit dem sechzehnte Lebensjahr wahlberechtig und konnte sich auch selbst zur Wahl aufstellen lassen. Die Mitglieder des Kronrates dienten sowohl dem König als auch den Fürsten als Berater in Machtfragen.

  • Fürstenrat

Der Fürstenrat bestand aus den Fürsten von Erbarior und wurde für gewöhnlich nur vom König selbst einberufen, der als Vorsitzender galt.

  • Statthalter

Aus dem Kronrat erwählte sich der König für gewöhnlich einen Statthalter, der als sein Stellvertreter in seiner Abwesenheit die Reichsgeschäfte führt, jedoch keinerlei Macht über die Streitkräfte – mit Ausnahme der Stadtwache von Xerdon – ausüben durfte.

  • Heermeister

Der Heermeister war der Oberbefehlshaber des erbarischen Heeres und wurde vom König bestimmt. Er diente diesem als Stellvertreter in Kriegsangelegenheiten, durfte aber keine Macht auf die Räte ausüben.

  • Königlicher Berater

Der königliche Berater wurde vom König selbst ernannt und diente als dessen engster Vertrauter. Er hatte den Oberbefehl über die Palastwache inne.

Gesetzgebung

Die Gesetzgebung in Erbarior lag in den Händen des Adels und des Kronrates. Bei allem hatte der König das letzte Wort, doch wurden Gesetze meist von den Mitgliedern des Kronrates oder hohen Beamten in den Fürstentümern ausgearbeitet und abgesegnet.

Bildung

Die meisten Erbaren legten großen Wert auf Bildung. In den Städten aber auch in den meisten Dörfern gab es Schulen, die zumindest Grundwissen vermittelten. Es wurde erwartet, dass Kinder sich im Alter von sieben bis elf Jahren Kenntnisse wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Wissen über die Geschichte des Reiches aneigneten. Auch Sport und Gesang war Teil der Grundausbildung. In den größeren Städten gab es zusätzlich höhere Schulen, die Kinder im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren besuchen konnten, um Redekunst und verschiedene Wissenschaften zu erlernen, wenn sie einen Beruf anstrebten, in dem dies nötig war. Darüber hinaus gab es die Königliche Lehranstalt für Höhere Wissenschaften in Xerdon, auf die jedoch nur diejenigen aufgenommen wurden, die eine Aufnahmeprüfung bestanden. Dort wurden vor allem Gelehrte ausgebildet. Auch Auvagan und Nyktaven hatten ähnliche Lehranstalten jedoch von geringerem Ruf. Neben diesen Schulen gab es noch verschiedene Schulen für Heiler und andere Wissenschaften, sowie Schulen für diejenigen, die eine Laufbahn im erbarischen Heer anstrebten.

Streitkräfte

  • Erbarisches Heer

Das Heer von Erbarior unterstand grundsätzlich dem Heermeister. Auch der König selbst konnte bei Bedarf den Oberbefehl übernehmen oder diesen einem der Fürsten übertragen. Fürsten und Grafen durften selbst Heere von bestimmter Größe aufstellen und unterhalten. Den Kriegszustand ausrufen und größere Heere aufstellen durfte jedoch nur der König.

  • Königliche Leibwache

Die Leibwache unterstand dem Befehl des Königs und war nur für dessen Sicherheit – sowohl im Palast als auch außerhalb – zuständig.

  • Arethéren

Die Arethéren waren eine kleine Gruppe besonders gut ausgebildeter Krieger, die meist auf geheime Einsätze im Namen des Königs entsandt wurden. Sie unterstanden nur dem König selbst.

  • Erbarische Flotte

Die erbarische Flotte war nicht sonderlich groß, was daran lag, dass von allen Fürstentümern Erbariors nur Lewinien am Meer lag. Im Gegensatz zu Anotur versuchten die Erbaren auch nie, ihr Reich auf dem Seeweg zu vergrößern, weshalb ihre Flotte einzig der Verteidigung und der Sicherung der Handelswege im Meerbusen von Lewinien diente. Oberbefehlshaber der Flotte war der Fürst von Lewinien. Neben der Flotte von Lewinien verfügt auch das Fürstentum Lirasur über eine – weitaus kleinere – Flotte, die über die Amnua wachte und dem Fürsten von Lirasur unterstellt war.

Glaube und Brauchtum

Da Erbarior ein Reich mit vielen Völkern war, gab es dementsprechend viele verschiedene Glaubensrichtungen und Bräuche. Vorherrschend war beim Volk der Glaube an die Wiesengötter, die aus den Göttern der Kireter entstanden waren. Die Oberschicht vertrat meist den Glauben an die Sieben Wahren Götter der Almári. In Theladien und Guilar gab es auch viele, die dem Blutschattenkult anhingen, der eigentlich verboten war. Zudem gab es mehrere kleinere Glaubensrichtungen, die nur bestimmten Gegenden zu finden waren. Bräuche, die in allen Teilen des Reiches verbreitet waren, gab es kaum.

Verschiedene Bräuche

Anlässe

  • Krönung des Königs

Die Krönung eines neuen Königs wurde bei den Erbaren als großer Festtag begangen. Dem Brauch gemäß musste der König die Nacht vor der Krönung in einem Lager außerhalb der Mauern Xerdons verbringen. Mit Sonnenaufgang zog er dann in einem langen Festzug, dem alle möglichen Würdenträger, aber auch das gewöhnliche Volk beiwohnte durch die Stadt hin zum Tempel der Götter. Dort wurde er dann von den Priestern der Sieben Wahren Götter gesegnet, ehe er durch die Halle des Volkes weiter in den Palast zog. Im Palasthof fand dann die eigentliche Krönung statt, wo der König vor dem Volk auf die Knie fiel und das Recht erbat, über es herschen zu dürfen. Wurde ihm dies gewährt, wurde er von seinem Vorgänger gekrönt. War dieser nicht mehr am Leben, übernahm dessen Statthalter diese Aufgabe. Danach empfing der gekrönte König alle möglichen Würdenträger in seinem Thronsaal, um diesen einen Treueeid abzunehmen. Am Abend der Krönung wurde zumeist ein großes Fest gefeiert, sowohl im Palast als auch in der Stadt, wo es für das einfache Volk zu essen und zu trinken gab. Mitunter dauerte dieses Fest auch mehrere Tage lang.

  • Hochzeit

Die Erbaren waren der Ansicht, dass Hochzeiten nur aus Liebe geschehen durften. Dennoch wurden auch viele Zweckehen geschlossen. Geheiratet wurde meist im Kreise der Familie im eigenen Haus, selten in Göttertempeln. Die Trauung wurde von einem Priester, einem angehörigen des Adels oder einem der Familienoberhäupter vorgenommen.

  • Tod

Da die Erbaren ein sehr erdverbundenes Volk waren, bestatteten sie ihre Toten stets in der Erde. Nur in Ausnahmefällen wurden Leichen verbrannt. Das Grab eines gefallenen Kriegers wurde für gewöhnlich mit dessen Waffe gekennzeichnet. Nach Schlachten waren auch Massengräber üblich, die mit den Speeren der Gefallenen umzäunt wurden.

Feiertage

  • Neujahrstag

Der erste Tag des neuen Jahres wurde im Frühling in vielen Gegenden Erbariors mit dem Setzen einer Pflanze begangen, die für den Neubeginn stand.

  • Tag des Lichtes

Wie in den meisten Gegenden, in denen die Sieben Wahren Götter verehrt wurden, wurde auch in Erbarior die Sommersonnenwende mit einem Fest zu Ehren Enéras, der Göttin des Lichtes begangen.

  • Tag des Friedens

Am Tag des Friedens im Spätsommer, der von Recalion im Jahr 2357 E.Z. eingeführt wurde, gedachte man der Opfer, die die Kriege mit Lau-Onn gefordert hatten. Zudem diente der Tag als Mahnung, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. An diesem Tag legte das gesamte erbarische Heer für einige Stunden die Waffen nieder.

  • Tag der Gründung

Der Tag der Gründung wurde im Frühherbst gefeiert. An diesem Tag gedachten die Erbaren Xerónos‘ Sieg über die Truppen Auvagans und der Gründung Erbariors. In den meisten Städten und Dörfern gab es an diesem Tag Volksfeste, auf denen die Schlacht am Hasenfeld nachgestellt wurde.


Wirtschaft und Handel

Erbarior handelte mit allen möglichen Reichen und Städten von Nah und Fern. Die Bewohner des Reiches waren stolz auf ihre gut ausgebauten Handelsstraßen, die sie manchmal sogar jenseits ihrer Grenzen errichteten. Sie handelten mit allem, was Gewinn abwarf, waren aber stets bemüht, den Wohlstand im ganzen Reich zu mehren. Während in Ertanien vor allem Hirten lebten, die Wolle und Fleisch lieferten, waren Elarenia und Wulmanur zum größten Teil von Ackerland bedeckt. Theladien bot große Mengen von Holz und Wild, in Niranach gab es unzählige Bergwerke, in denen die Schätze des Mondgebirges zutage gefördert wurden. Lewinien lebte dagegen vom Meer und dem Handel mit weit entfernten Reichen.


Beziehungen nach außen

Die meisten erbarischen Könige waren um gute Beziehungen zu den umliegenden Reichen bemüht. Mit Vanrania verband Erbarior eine lange Freundschaft und auch die Almári in Agomitur wurden als Verbündete angesehen. Den Aurokanisa standen die meisten Erbaren sowohl zwischen als auch nach den Kriegen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einzig das Knochenvolk wurde ständig als Feind betrachtet.


Erwähnung

  • DWS: 6, 19, 21-24, 32, 34-35, 46-47, 55, 68-69, 72, 79, 82, 89, 91, 93-94, 96, 98-100, 105, 128, 149, 155, 161, 167, 180-181, 184, 190, 193-194, 232, 238, 248-249, 253, 264-265, 267, 269, 277, 281, 287-288, 336, 342-344, 346, 349, 365-366, 369-371, 380, 385, 393-394, 397, 399, 402-403, 406, 411-412, 416, 419, 422, 425, 428-429, 432, 434-436, 441, 443, 445, 448-449
  • DEDV: 6, 12-15, 17-18, 20, 25, 33, 40-41, 51-52, 54-57, 59, 60-62, 68, 74-75, 87-90, 92, 94-96, 98, 101, 112, 120-121, 124, 129, 136, 140, 142, 146, 148-150, 153, 156, 161, 169-170, 172, 174, 177-178, 183-184, 188-190, 192-194, 196, 200, 202-203, 205, 208, 210-212, 214, 219-221, 223, 226, 231-232, 234, 236, 238, 243, 249-250, 254, 257-258, 263-264, 269, 271, 276, 278, 299, 303-304, 306, 310, 325, 331, 338-339, 341, 345, 347, 349, 351, 353, 372, 384, 392, 402, 407, 423, 428, 432, 438, 442, 447, 450, 453, 455-456, 458-459, 462-463, 465, 467, 469, 471, 473-477, 479-482, 484-485, 487-489, 491, 498-501, 503, 507, 510, 516-518, 525, 535, 539, 543, 546, 554, 556, 559-560, 562-564, 567-568, 574-576, 579, 581, 583, 585-594, 596, 599, 603
  • DLDD: 6-8, 26, 30, 34, 45-46, 66, 86-87, 92-95, 98, 104-105, 108, 110-112, 117-118, 120-121, 130, 133, 136, 138-140, 142-143, 145-147, 150-157, 161, 164, 166-172, 174, 183, 187-190, 195-197, 205, 215-217, 220, 225-227, 232, 240, 244, 256-257, 270, 286-287, 291, 301-302, 308, 310-311, 314, 317, 331, 353, 374, 376, 385, 388-389, 396, 406, 417-418, 422, 424-425, 428, 433-434, 445, 447, 467, 482-484, 487, 490, 494, 505, 507, 513, 555-556, 573, 581
  • SAS1: 68-69